Israel verschärft Haftbedingungen für Hamas nach Schüler-Entführung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Vermisste Teenager Israel verschärft Haftbedingungen für Hamas-Mitglieder

Israels Regierung reagiert auf die Entführung der drei Jugendlichen: Der Druck soll steigen, die Haftbedingungen für Hamas-Mitglieder verschärft werden. Aus der Siedlerpartei heißt es: Teil der Palästinenserorganisation zu sein, solle eine "Fahrkarte zur Hölle" werden.
Israelische Soldaten und Palästinenser: "Kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes"
Israelische Soldaten und Palästinenser: "Kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes"

Israelische Soldaten und Palästinenser: "Kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes"

Foto: AMMAR AWAD/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jerusalem - Nach der Entführung von drei jüdischen Jugendlichen im Westjordanland geht Israel massiv gegen die Hamas vor. Die Regierung beschloss, die Haftbedingungen für Aktivisten der radikalislamischen Palästinenserorganisation zu verschärfen. Details wurden nicht genannt.

Der engste Ministerkreis um Regierungschef Benjamin Netanjahu habe sich bei einer Dringlichkeitssitzung auch für eine Verstärkung des militärischen Drucks auf die Hamas ausgesprochen, berichteten israelische Medien.

Die drei entführten Jugendlichen werden nach wie vor vermisst. Die jungen Männer - zwei sind 16, einer 19 Jahre alt - sind seit Donnerstagabend verschwunden. Offenbar wollten sie nach dem Besuch einer Talmudschule nach Hause trampen, als sie in der Nähe von Hebron verschleppt wurden. Der Vorfall ereignete sich in einem Teil des Westjordanlands, der ausschließlich von der israelischen Armee kontrolliert wird. Die Armee hat bei Razzien bereits etwa 200 Palästinenser festgenommen.

Mitgliedschaft in Hamas soll "Fahrkarte zur Hölle" werden

Wirtschaftsminister Naftali Bennett von der Siedlerpartei sagte dem Armeesender vor der Sitzung, Israel werde die Mitgliedschaft in der Hamas in eine "Fahrkarte zur Hölle" verwandeln. Israel sieht Hamas als verantwortlich für die Entführung, obwohl sich noch keine Palästinenserorganisation dazu bekannt hat.

Das Sicherheitskabinett beriet auch darüber, Hamas-Mitgliedern aus dem Westjordanland in den Gazastreifen zu verbannen. Das berichtete ein israelischer Repräsentant. Israels politische Führung und Armee stellen sich auf einen langwierigen Einsatz ein.

Die palästinensische Menschenrechtsorganisation Addameer verurteilte die Razzien als "kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes". Unter den Festgenommenen seien auch 18 Abgeordnete, teilte die Organisation mit. Nach palästinensischen Angaben wurden bei Konfrontationen und Festnahmen seit Freitag ein Mensch getötet und rund zehn verletzt, darunter auch ein Kind.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte die Entführung scharf und rief zu einer sofortigen Freilassung der drei Schüler auf. "Solche Taten können nur die internationalen Bemühungen um eine Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen untergraben", sagte Ashton.

Die israelische Luftwaffe flog als Reaktion auf Beschuss aus dem Gazastreifen erneut Angriffe in dem Gebiet am Mittelmeer. Ziele seien unter anderem zwei Waffenlager gewesen, teilte ein Armeesprecher mit. Nach Angaben von Vertretern der Sicherheitsbehörden im Gazastreifen wurden auch zwei Übungsgelände der Hamas bombardiert.

kes/dpa