Israels Sorge "Saddam, attackier Tel Aviv!"
Jerusalem Israel steckt in einer Zwickmühle. Das Land will die Entmachtung Saddam Husseins, gleichzeitig fürchtet es diese. Die Wahrscheinlichkeit eines Raketenangriffs steige in dem Maße in dem der Diktator an Einfluss verliere, sagte der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofaz in einem Interview am Freitag.
Seit Beginn des Golfkriegs wird der israelischen Bevölkerung geraten, jederzeit Gasmasken bei sich zu tragen und Räume für den Fall eines irakischen Anschlags mit Chemiewaffen zu versiegeln und Lebensmittel zu lagern.
US-Armee vermutet Abschussrampen im West-Irak
Derzeit schätzt Israel das Risiko eines solchen Angriffs noch als gering ein. Das Land sei allerdings in hoher Alarmbereitschaft, sagte Mofaz. Nach einem Bericht der "New York Times" hat die US-Armee Informationen über Verstecke im Westen Iraks, von denen aus Chemiewaffen abgefeuert werden könnten. Die Zeitung bezieht sich auf Aussagen irakischer Kriegsgefangener.
Saddam Hussein hatte vor wenigen Wochen auf Befehl der Uno Al-Samud-Raketen öffentlich zerstören lassen. Amerikanische, britische und israelische Geheimdienste gehen jedoch von weiteren Raketen im Irak aus, die für einen Angriff mit Chemiewaffen geeignet sind.
Schon in den vergangenen Tagen hatte Israel die USA gebeten, ihre bisher erfolglose Suche nach potenziellen Raketenabschussrampen im West-Irak zu intensivieren. Nur von dort aus könnten Raketen Israel erreichen.
Mehrheit der Israelis glaubt nicht an Angriff
Umfragen zufolge rechnet die Mehrheit der Israelis nicht mit irakischen Chemiewaffenangriffen. 68 Prozent der 600 Befragten hätten die Frage mit Nein beantwortet, schreibt die israelische Tageszeitung Maariv. 73 Prozent nehmen laut eigener Aussage ihre Gasmasken nur selten mit, wenn sie das Haus verlassen.
Im Golfkrieg 1991 beschoss der Irak Israel mit 39 Scud-Raketen. Diese richteten zwar großen Sachschaden an, verletzten und töteten jedoch nur wenige Menschen.
Bisher größte Demonstration von Palästinensern
Im Gazastreifen und im Westjordanland fand unterdessen die größte pro-irakische Demonstration von Palästinensern statt. Zehntausende Menschen protestierten gegen den Golfkrieg und forderten Saddam Hussein auf, Israel anzugreifen. Die Demonstranten skandierten Parolen wie "Bush, sie werden mit Blut für Öl bezahlen".
Der größte Marsch in Gaza-Stadt wurde von der radikalislamischen Organisation Hamas organisiert. 30.000 aufgebrachte Männer und Frauen gingen nach dem Freitagsgebet auf die Straße. Mehrere Lautsprecherwagen führten die Demonstration an. Ein Mann rief in die Menge, der Irak solle Hamas zum Vorbild nehmen und die US-Streitkräfte durch Selbstmordattentate schädigen.
"Saddam, attackier Tel Aviv!"
In Nablus waren 4000 Menschen unterwegs. Puppen, die George W. Bush, Tony Blair und Ariel Scharon darstellten, brannten unter dem Applaus der Demonstranten.
Auch in anderen Städten des Wesjordanlands, Tulkarem, Halhoul und Yabad protestierten insgesamt 16.000 gegen den Golfkrieg. Ein Slogan war auf fast allen Demonstrationen im palästinensischen Autonomiegebiet zu hören: "Saddam, attackier Tel Aviv!" Eine Parole, die in das Jahr 1991 zurückgeht.