Italien Klar zum Einsatz!
Rom - Nun strahlt er wieder. Für Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi ist die Welt seit Anfang dieser Woche wieder in Ordnung: Er konnte mit den großen EU-Nachbarn tafeln und darf mit ihnen sogar in den Krieg ziehen.
Die böse Zeit ist vorbei, als seine Kollegen aus Paris, London und Berlin sich demonstrativ zu Dritt trafen, um über Europas Sicherheit zu beraten, und er sich daheim als zweitklassig verspotten lassen musste.
Berlusconi mit im Boot
Seine bitteren Klagen, verstärkt durch den Ärger anderer EU-Partner, die sich genauso übergangen fühlten, wurden nun endlich erhört: Am vergangenen Sonntag bat Englands Premier Tony Blair nicht, wie zunächst vorgesehen, zwei, sondern sieben Gäste zum Polit-Dinner in die Downing Street - und Berlusconi war dabei.
Fast zeitgleich traf die zweite frohe Botschaft der Woche in Rom ein: Sein amerikanischer Freund, George W. Bush, will Italien am Afghanistan-Krieg beteiligen, er akzeptiert Berlusconis Angebot, Waffen und Soldaten zu schicken. "Das ist der Beweis", jubelte der regierende Milliardär und Medienmogul, "niemand diskriminiert uns!".
Mit breiter Mehrheit segnete das Parlament am Mittwoch umgehend ein 2700 Mann starkes Kontingent für die bislang Amerikanern und Briten vorbehaltene "Operation Dauerhafte Freiheit" ab. Selbst die Opposition stimmte überwiegend dafür. Nur die Grünen, die Kommunisten und einige Linksdemokraten versagten sich.
Allzeit bereit
Italiens Afghanistan-Angebot ist breit gefächert: acht Tornado-Jäger gehören dazu, eine fliegende Boeing 707-Tankstelle, ein C-130-Transporter, Panzer und Hubschrauber, Sondereinheiten für die atomare, chemische und bakteriologische Kriegführung.
Im Hafen von Taranto stehen zwei Fregatten und der Flugzeugträger " Giuseppe Garibaldi" bereit, bestückt mit "Sea-Harrier"-Senkrechtstartern, Kampfhubschraubern und verschiedenen Raketensystemen. "Wir können", sagt Garibaldi-Kapitän Salvatore Coppola, "jederzeit auslaufen".
Nur weiß bislang noch niemand, wann und wo die Italiener denn eigentlich in den Krieg gegen den Terrorismus eintreten sollen und ob an der Front in Afghanistan oder als Versorger im Hinterland.
Italiener sind gespalten
So klar das Votum der Politik ausfiel, so uneinig sind sich die meisten Italiener in der Beurteilung der Afghanistan-Mission. Nur etwa die Hälfte ist laut Umfragen eindeutig dafür, viele sind skeptisch oder dagegen.
In zwei Massen-Aufmärschen am Samstag in Rom, so fürchtet man, könnten sich die Meinungsunterschiede womöglich sogar gewalttätig entladen.
Für eine US-Solidaritäts-Demo lockt Silvio Berlusconi mit Stargästen, von Sofia Loren bis Michael Schumacher und hofft auf 100.000 Stars-and-Stripes-Fähnchen schwingende Anhänger.
Das andere Italien
Nur ein paar Straßenzüge weiter ziehen zur gleichen Zeit Gruppen auf, die bislang vor allem gegen Globalisierung und ungerechte Weltmärkte protestiert haben. Nun wollen sie "Nein! Gegen den Krieg" und "Nein! Gegen den Pro-USA-Marsch" sagen - und das zu 50.000, wie es heißt.
Und wenn der Zuspruch wie erwartet ausfällt, wollen die Kriegsgegner am Samstag drauf gleich 100 italienische Städte lahm legen: Straßenbahnen, Schulen, Kreuzungen besetzen. "Wir wollen zeigen", sagt Luca Casarini, einer der Protest-Organisatoren, "dass es auch ein anderes Italien gibt".