Vorwurf der Einflussnahme Italiens Landwirtschaftsministerin tritt zurück
Rücktritt nach kurzer Amtszeit: Italiens Agrarministerin Nunzia De Girolamo
Foto: Giuseppe Lami/ dpaRom - Erneut erschüttert eine politische Affäre die italienische Regierung: Landwirtschaftsministerin Nunzia De Girolamo ist von ihrem Amt zurückgetreten. Ihr war versuchte Einflussnahme vorgeworfen worden. De Girolamo bestritt dies und sagte, sie fühle sich von der Regierung unter Ministerpräsident Enrico Letta nicht mehr unterstützt.
"Ich kann nicht in einer Regierung bleiben, die meine Ehre nicht verteidigt", schrieb sie auf Twitter . Laut der Zeitung "Corriere della Sera" begründete De Girolamo ihren Amtsverzicht auch in einer offiziellen Mitteilung: "Ich habe entschieden, Ministerium und Regierung zu verlassen, weil meine Würde mehr wert ist als das alles."
Die 38-Jährige soll Druck auf Politiker ausgeübt haben, um bei einer Auftragsvergabe an ein Krankenhaus im süditalienischen Benevento einem Angehörigen den Zuschlag zu sichern. De Girolamo war nach der Spaltung der Berlusconi-Partei "Volk der Freiheit" (PdL) im November zu der neuen Partei Neue Mitte-Rechte von Innenminister Angelino Alfano gewechselt.
Spekulationen um Regierungsumbildung
Girolamo ist nicht die erste, die in der kurzen Regierungszeit Enrico Lettas die Regierung verlässt: Kurz nach der Aufstellung seines Kabinetts im April vergangenen Jahres war im Juni die deutschstämmige Josefa Idem als Sportministerin zurückgetreten. Sie war wegen Unregelmäßigkeiten bei ihrer Steuererklärung unter Druck geraten , hatte die Vorwürfe jedoch zurückgewiesen und von einer "Schmutzkampagne" gegen sie gesprochen.
In Rom wird vermutet, dass Letta den seit langem geforderten Rücktritt De Girolamos jetzt zum Anlass für eine größere Regierungsumbildung nehmen könnte. Seit dem Antritt seines Kabinetts im April 2013 musste er schon mehrere Krisen durchstehen: Nach dem Rücktritt der Sportministerin zerfiel die Partei seines Koalitionspartners Berlusconi im Herbst in zwei neue Gruppen - eine davon, die Neue Mitte-Rechte, trägt Lettas Kurs weiterhin mit. Zuletzt wählte Lettas Demokratische Partei (PD) seinen parteiinternen Konkurrenten Matteo Renzi zum neuen Parteichef, der die instabile Regierungskoalition immer wieder kritisiert.