Jared Kushner: "Donald Trumps Mini-Me"
Jared Kushner Trumps Schatten
Die Entourage, die ein US-Präsident auf seine Reisen mitnimmt, ist ein interessanter Kosmos. In der Regel gibt es in der Begleitmannschaft eine kleine Jagd darum, wer dem Präsidenten auf den Fotos am nächsten kommt. Auch bei Donald Trump ist das so, wobei der Wettbewerb der Eitelkeit in der Welt des Milliardärs eigentlich überflüssig ist. Alle wissen: Näher als Chefberater Jared Kushner kommt dem Präsidenten ohnehin niemand.
Kushner wirkt bei Trumps erstem großen Auslandstrip wie der Schatten des US-Präsidenten. Bei Trumps Rede zum Islam saß sein Schwiegersohn hinter ihm, beim Abendessen mit dem saudischen König speiste er mit, beim Besuch der Jerusalemer Altstadt lief er im Schlepptau des Präsidenten. Die physische Nähe des 36-Jährigen zu Trump, in diesen Tagen auf vielen Bildern dokumentiert, unterstreicht, wie zentral Kushner für die Trump-Regierung geworden ist.
Die Choreografie der Reise geht in weiten Teilen auf Kushner zurück. Über seine Kontakte ins Umfeld von Premier Benjamin Netanyahu entstand das Programm in Israel. Zudem half Kushner angeblich dabei, jenen gut hundert Milliarden Dollar schweren Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien zu verhandeln, den der Präsident gleich nach Ankunft in Riad rühmte. Kushner selbst sprach in einer seiner seltenen Äußerungen von einem "Meilenstein" für die Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten.
Kushner, die Allzweckwaffe
Bislang war von Kushner im Weißen Haus so wenig zu hören, dass in Washington schon gewitzelt wurde, ob der Chefberater überhaupt sprechen könne. Kein Auftritt, kein Interview - dafür immer mehr Macht: Kushner, der vor seinem Job im Weißen Haus mit Immobilien handelte und keinerlei politische Erfahrung mitbrachte, ist inzwischen Trumps Allzweckwaffe. Er soll die Handelspolitik des Präsidenten prägen. Er soll den Beamtenapparat schlanker machen. Vor allem aber will der Präsident, dass er sich um einen Friedensvertrag im Nahen Osten kümmert.
Jared Kushner: "Donald Trumps Mini-Me"
Wie weit Kushner an dieser Front ist, weiß niemand genau. Die Aufgabe, mit Israelis und Palästinensern erste Gespräche zu führen, hat er an Trumps langjährigen Vertrauten Jason Greenblatt abgegeben, und nach allem, was zu hören ist, versucht dieser, zunächst einmal die Israelis davon zu überzeugen, den Siedlungsbau einzustellen. Das ist bekanntermaßen schwierig, und auch Trump scheint die Schwierigkeiten in Sachen Frieden begriffen zu haben. Er hoffe, man werde irgendwie zusammenfinden, sagte der Präsident am Montag kleinlaut.
Kushner wird sich der historischen Aufgabe auf absehbare Zeit wohl nur begrenzt widmen können. Wie Trump wird auch Kushner in diesen Tagen von der Russland-Affäre eingeholt. Kürzlich wurde öffentlich, dass das FBI in seinen Ermittlungen rund um mögliche Absprachen zwischen Trumps Team und Moskau einen hohen Berater im Weißen Haus im Visier hat. Viele Beobachter meinen, dies könne nur Kushner sein - was Sinn ergibt, wenn man sich die Endphase des Wahlkampfs und die Zeit der Machtübergabe vergegenwärtigt.
Kushner arbeitete damals eng mit Mike Flynn zusammen, der im Zentrum der Affäre steht. Flynn war für einige Wochen Nationaler Sicherheitsberater Trumps und stolperte im Februar darüber, dass er verheimlicht hatte, bei seinen Gesprächen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak die Frage der Sanktionen thematisiert zu haben.
Russland-Affäre holt Kushner ein
Schon seit Wochen interessiert sich der Geheimdienstausschuss im Kongress für die Dreiecksbeziehung Kushner-Flynn-Kisljak. Auch Trumps Schwiegersohn traf sich kurz nach dem Wahlsieg mit Russlands Botschafter, machte dieses Gespräch aber zunächst nicht öffentlich. Auf Vermittlung Kisljaks traf sich Kushner wenig später mit dem Chef der Wneschekonombank, einem vom Kreml gesteuerten Geldinstitut, das die USA 2014 mit Sanktionen belegt hatten. Über dieses Treffen informierte Kushner die Behörden ebenfalls mit Verzögerung.
Weshalb traf sich Kushner mit den beiden Russen? Sprach auch er die Sanktionen an? Und was wusste Trump davon? Gut möglich, dass alles harmlos ist. Aber sollte das FBI tatsächlich Trumps Schwiegersohn im Visier haben, wäre das ein Indiz für einen konkreten Verdacht.
Im Weißen Haus scheint man zu fürchten, dass sich auch Sonderermittler Robert Mueller auf Kushner konzentrieren und sowohl seine Kontakte als auch seine Immobiliendeals auf mögliche Spuren nach Russland abklopfen könnte. Kushner drängte dem Vernehmen nach darauf, die Ernennung Muellers hart zu kritisieren, setzte sich damit aber nicht durch. Trumps Beamte machten dafür eine kaum bekannte Vorgabe ausfindig, wonach es Sonderermittlern verboten ist, Personen zu überprüfen, zu denen sie zuvor eine Geschäftsbeziehung hatten.
Ausgerechnet Kushner würde von dieser Regel profitieren. Denn er ist ebenso ein Klient in der Anwaltskanzlei, in der Mueller zuletzt arbeitete, wie Trumps Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort, der schon seit Monaten im Fokus der Ermittlungen steht.
Das Justizministerium muss nun entscheiden, wie es mit der Regel umgeht. So oder so ist die Lage für Kushner unangenehm: Folgt das Ministerium dem Ermittlungsverbot gegen ihn und Manafort, wird möglicherweise für immer ein Verdacht über Kushner schweben. Kippt es die Regel, könnte sich die Affäre zu einem ernsten Problem für Trumps Schwiegersohn auswachsen.