Jerusalem Neue Krawalle am Tempelberg?
Jerusalem - Die israelischen Behörden haben den Zugang zur Al-Aksa-Moschee in Jerusalem abgeriegelt. Bei den strikten Polizeikontrollen am Tempelberg wurde wie schon in den Vorwochen vor dem Freitagsgebet jeder Palästinenser unter 45 Jahren zurückgewiesen.
Diesmal aber war die Atmosphäre besonders gespannt, nachdem am Donnerstag das führende Fatah-Mitglied Hussein Abajat bei einem israelischen Hubschrauberangriff in der Nähe von Bethlehem getötet worden war. Im Westjordanland wurden Flugblätter verbreitet, auf denen zu Rache für den Anschlag aufgerufen wurde; als Ziel nannten die Verfasser den israelischen Armeechef, Generalleutnant Schaul Mofas.
In Jerusalem kam das Kabinett zusammen, um über mögliche Auswirkungen des Angriffs zu beraten. Dabei wurde auch über den Plan einer einseitigen Abschottung Israels zu den palästinensischen Autonomiegebieten diskutiert. Der vom stellvertretenden Verteidigungsminister Ephraim Sneh vorgelegte Vorschlag sieht die Errichtung von Befestigungsanlagen vor.
In Washington wuchs die Sorge nach der neuen Eskalation. "Gewalt bringt neue Gewalt hervor", sagte der Nationale Sicherheitsberater Sandy Berger. "Wir müssen einen Weg finden, um diesen Kreislauf zu durchbrechen." Die US-Regierung befürchtet, dass neue Unruhen die gerade wieder neu belebten Bemühungen um eine Lösung des Konflikts gefährden könnten.
Der amerikanische Uno-Botschafter Richard Holbrooke warnte vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten. "Wir sehen uns einer Situation außergewöhnlicher Gefahr gegenüber", sagte Holbrooke bei einer Preisverleihung in New York. Die gegenwärtige Krise im Verhältnis zwischen Israel und den Palästinensern sei die größte Bedrohung des Friedens seit dem letzten Nahostkrieg von 1973. Holbrooke versicherte, dass sich US-Präsident Bill Clinton in den verbleibenden 70 Tagen seiner Amtszeit in vollem Umfang für eine Konfliktbereinigung engagieren werde.