Jerusalem Radikale bomben weiter
Hebron/Jerusalem - Der zweite Sprengsatz detonierte in einem Omnibus. Beobachter berichteten, sie hätten Körperteile auf der Straße gesehen. Nach Angaben der Polizei wurde der Anschlag von einem Selbstmordattentäter verübt, der die Bombe in einer Tüte mit sich trug. Der Mann kam bei der Detonation ums Leben, sieben weitere Menschen wurden verletzt. Sicherheitskräfte riegelten das Viertel ab.
Nach dem ersten Bombenanschlag in der Nähe eines Einkaufszentrums im Industriegebiet Talpiot hatte sich die Gruppe Islamischer Dschihad gemeldet und mitgeteilt, der Anschlag sei eine Vergeltungstat für israelische "Verbrechen an unseren Familien in Hebron", die in der vergangenen Nacht verübt worden seien. Eine entsprechende Erklärung sandte der Dschihad an ausländische Nachrichtenagenturen in Beirut.
Bei dem Dschihad-Anschlag wurden ein Busfahrer und zwei weitere Menschen verletzt. Der Wagen, in dem der Sprengsatz explodierte, wurde Augenzeugenberichten zufolge vollständig zerstört. Zudem gingen mehrere Fensterscheiben von nahe gelegenen Läden zu Bruch.
Die beiden Anschläge ereigneten sich zeitgleich mit dem Auftakt einer Gipfelkonferenz der Arabischen Liga in Amman. Die Teilnehmer wollen vor allem über den Aufstand der Palästinenser in den isralisch besetzten Gebieten beraten, der seit einem halben Jahr andauert.
Schwere Unruhen bei Hebron
Nach den tödlichen Schüssen auf ein zehn Monate altes jüdisches Mädchen in Hebron im Westjordanland war es in der Nacht zu schweren Auseinandersetzungen zwischen wütenden Siedlern und israelischen Soldaten gekommen. Die Siedler hätten versucht, in Palästinenserbezirke der Stadt zu gelangen, teilte die Armee mit. Augenzeugen sagten, die Siedler seien auf den Bezirk Abu Sneineh marschiert, aus dem nach Armeeangaben ein Heckenschütze am Montag die tödlichen Schüsse abgegeben haben soll.
Verteidigungsminister kündigt angemessene Reaktion an
Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser mahnte die Siedler zur Ruhe und forderte sie auf, das Recht nicht in eigene Hände zu nehmen. "Wir dürfen uns nicht auf die Stufe der Mörder herablassen", sagte er. Zugleich kündigte er eine "angemessene" Reaktion der Armee an.
In Hebron leben rund 400 überwiegend militante jüdische Siedler unter mehr als 100.000 Palästinensern. Im Gaza-Streifen zogen jüdische Siedler durch Palästinensergebiete, schossen in die Luft und setzten Gebäude in Brand.
Unruhen forderten bislang mehr als 400 Tote
Bei den seit sechs Monaten anhaltenden Unruhen sind insgesamt 429 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Palästinenser. Am Montagabend (Ortszeit) beriet der Weltsicherheitsrat in New York über seine Position zu den Unruhen. In der jordanischen Hauptstadt Amman wollten am Dienstag die Staats- und Regierungschefs der arabischen Länder über den Aufstand beraten.
Wenige Stunden nach den tödlichen Schüssen in Hebron hat die israelische Regierungskoalition am Montagabend ein erstes Misstrauensvotum der Opposition in der Knesset überstanden. Der Oppositionsführer Jossi Sarid von der liberalen Merez-Partei hatte den Antrag eingebracht, um damit gegen den völligen Stillstand im Friedensprozess mit den Palästinensern zu protestieren. Nach stundenlanger Debatte stimmten die noch anwesenden Koalitionsabgeordneten jedoch mit 54 zu 15 Stimmen gegen den Antrag.