Jerusalemer Anschlag Abbas bricht mit Extremisten
Jerusalem - Zu dem Anschlag auf einen mit ultraorthodoxen Juden voll besetzten Linienbus am Dienstagabend in der Jerusalemer Innenstadt bekannten sich die radikale Hamas-Organisation und der extremistische Islamische Dschihad. Sie begründeten die Tat, die von einem 29-jährigen Lehrer und Prediger aus Hebron (Westjordanland) begangen wurde, mit einer israelischen Armeeaktion, bei der am vergangenen Donnerstag der örtliche Kommandant des Dschihad getötet wurde.
Unmittelbar nach dem Attentat brach der palästinensische Regierungschef Abbas alle Kontakte zu den Extremistengruppen ab. Er gab Sicherheitsminister Mohammed Dachlan den Auftrag, gegen die Drahtzieher der Tat vorzugehen.
Nach einer Sondersitzung Dachlans mit seinen Sicherheitschefs hieß es in einer ungewöhnlich scharf formulierten Erklärung, Israel sei wegen seiner andauernden Verstöße gegen die Waffenruhe zwar zu einem Teil für die Verschlechterung der Lage verantwortlich, "aber gleichzeitig sehen wir Hamas und den Islamischen Dschihad in einem größeren Maße verantwortlich für diese Eskalation. Alle israelischen Verstöße können niemals das rechtfertigen, was in Jerusalem geschehen ist." Die Extremisten hätten Israel nur den Vorwand gegeben, die Forderungen aus dem Internationalen Nahostfriedensplans nicht umzusetzen.
Direkt nach dem Anschlag stoppte Israel alle Gespräche mit der palästinensischen Regierung und schloss alle Zufahrtswege zum Westjordanland. Die Armee nahm inzwischen in Hebron im Westjordanland 17 Männer fest, die mit dem Selbstmordattentäter in Verbindung gestanden haben sollen.
Ministerpräsident Ariel Scharon beriet den ganzen Tag mit seinen Sicherheitschefs über mögliche israelische Aktionen in den Palästinensergebieten. Am Nachmittag hieß es, er sei zu einem schweren militärischen Schlag entschlossen, wolle jedoch darauf verzichten, Palästinenserpräsident Jassir Arafat ins Exil zu schicken. Für Mittwochabend berief Scharon seine wichtigsten Minister zu einer Sondersitzung ein.
In Gaza kündigte auch Abbas eine Kabinettssitzung an. Am Mittwoch hieß es in Gaza, die Autonomiebehörde werde "jeden, der der Beteiligung an diesem Anschlag verdächtig ist, festnehmen und vor Gericht bringen". Die Täter hätten mit dem Attentat die höchsten Interessen des palästinensischen Volkes verletzt. Elias Zananiri, Sprecher von Sicherheitsminister Mohammed Dachlan, sagte, der Regierungschef habe der Polizeiführung klare Anweisungen gegeben.
Bei dem Anschlag am Dienstagabend waren 20 Israelis getötet worden. Mehr als hundert wurden verletzt, 50 von ihnen schwer. Unter den Opfern befanden sich viele Kinder.