John McCain Sieg für den eisernen Kämpfer
Washington - Er war ergriffen. "Mac is back, Mac is back", skandierten seine Anhänger. "Wir sind dem Ziel, für das wir alle so hart gearbeitet haben, heute ein gutes Stück näher gekommen", sagte John McCain, 71, Senator aus Arizona und spätestens seit diesem Super Tuesday klarer Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Er habe das Rennen als Außenseiter begonnen, "das war in Ordnung", nun sei seine führende Rolle offensichtlich - "und ich habe nicht das Mindeste dagegen."
Es stimmt - am Anfang war er ein Außenseiter. Der Mann mit dem Silberhaar, dem unverwechselbaren Lächeln, der einzigartigen politischen Biografie, er hat ein erstaunliches Comeback geschafft.
Zwar wurden McCain schon vor einem Jahr beste Chancen im Rennen ums Weiße Haus zugestanden - schließlich ist er ein nationaler Vietnam-Held, ein Politiker der Mitte, der auch von Demokraten respektiert wird und sich unermüdlich für eine Reform der fragwürdigen Wahlkampffinanzierung eingesetzt hat. Doch McCain hielt beinahe störrisch an der Irak-Strategie von George W. Bush fest. Leidenschaftlich unterstützte er Bushs Truppenverstärkung im Irak - und fiel in den Umfragen immer weiter zurück.
Dann die Finanzkrise: Sein Wahlkampfteam hatte die meisten Spenden schon ausgegeben. Schließlich die republikanische Rechte: Ihr war McCain wegen seiner liberalen Haltung zu Einwanderung und Steuersenkungen immer schon suspekt.
Die eigene Mutter als Gegenbeweis
Auf einmal wirkte der Hoffnungsträger müde und bitter. Er gehört zu den älteren Präsidentschaftsbewerbern - und man sieht ihm seine 71 Jahre an. Wenn er ins Weiße Haus einzöge, wäre er der älteste neu gewählte Präsident der US-Geschichte. Er selbst lässt das Altersargument nicht gelten. Wer ihn für zu alt halte, solle sich seine Mutter ansehen, konterte er kürzlich auf einer Veranstaltung und präsentierte die rüstige Dame dem Publikum. Über 90 Jahre sei sie alt.
Der erfahrene Politiker, der seit 1987 im Senat sitzt, ist einer der bekanntesten Kriegshelden seiner Generation, seine Geschichte kennen viele Amerikaner. Als Pilot wurde er 1967 über Hanoi abgeschossen, er katapultierte sich aus seinem Jet und zog sich dauerhafte Verletzungen an Schultern und Knien zu. Es folgten fünfeinhalb Jahre Kriegsgefangenschaft, Folter mit Prügeln bis zur Bewusstlosigkeit. Die Spuren des Krieges zeichnen ihn bis heute: Seine Arme sind nur eingeschränkt bewegungsfähig, Schmerzen hat er noch immer.
Inzwischen scheint John McCain voll neuer Energie. Er ließ sich von schlechten Umfragewerten und Finanzproblemen nicht abhalten - und führte seinen Wahlkampf unverdrossen fort. Mit Erfolg, seine Botschaft kam an. Nach ersten Vorwahl-Erfolgen schaffte er es, sich wieder zum Favoriten aufzuschwingen.
Seine Haltung zum Irakkrieg hat er nicht geändert. "Wir sind auf dem richtigen Weg im Irak", sagte er bei einem Wahlkampfauftritt in Boston. "Das 'Time'-Magazin hätte statt Wladimir Putin lieber General David Petraeus, den Architekten der Truppenverstärkung, als 'Person des Jahres' auszeichnen sollen", ruft er. McCain, der Prinzipientreue - das ist die Botschaft.
Auf ihn schauen nun wieder jene, die sich einen Kandidaten der Mitte für klassische konservative Werte und ein starkes Amerika in der Welt wünschen - der aber prinzipientreu und reflektiert wirkt. John McCains Wiederaufstieg ist mehr als eine Momentaufnahme. Nach den polarisierenden Bush-Jahren ist sein Aufstieg der Ausdruck einer Sehnsucht nach prinzipiengeleiteter konservativer Sicherheitspolitik. Für seine Anhänger ist McCain ein Politiker, der zuerst an das Wohl des Landes denkt - dann erst an den politischen Nutzen, den er aus einer Sache ziehen kann.
Schon in den Vorwahlen 2000 hatte McCain mit seinem "Straight Talk Express" begeistert ("Ich habe nur eine Strategie: Ich sage, was ich denke"). Am Ende verlor der Kriegsheld damals gegen den ungedienten George W. Bush - unter anderem, weil dessen Team haltlose Gerüchte über angebliche uneheliche Kinder und Depressionen McCains streute.
Und nun könnte ausgerechnet McCain vom Überdruss an Bushs Politik profitieren.