Jugoslawien: Generalstreik light - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Jugoslawien Generalstreik light

Der von der Opposition ausgerufene Generalstreik in Jugoslawien ist nur schleppend angelaufen. In Belgrad fuhren Busse mit Berufstätigen wie gewohnt in die Stadt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In den Belgrader Vororten Brace Jerkovic im Süden und Karaburma im Osten versperrten zwar Müllcontainer, Blumenkübel aus Beton und Baumaterial die Straßen. Auch die wichtigste Einfallstraße aus dem westlichen Vorort Zemun war blockiert. Einige Busse umfuhren die Hindernisse aber einfach. Eine Passantin gab ab, sie wisse nichts von einem Generalstreik. "Ich weiß nichts von Protesten", sagte Milena Ivanovic, die in der Küche eines Kindergartens arbeitet. Soweit sie wisse, würden die Kinder auch am Montag wie gewohnt in die Kindergärten gebracht.

In der Hauptstadt patrouillierten einige Polizeiwagen. Eine Einheit Bereitschaftspolizei hatte in den frühen Morgenstunden das Parlamentsgebäude erreicht. Ansonsten gab es zunächst keine Anzeichen für verstärkte Sicherheitsmaßnahmen.

Die Opposition hatte für Montag zu einer Reihe von Protestveranstaltungen aufgerufen und angekündigt, das öffentliche Leben Jugoslawiens lahm legen zu wollen. Der Oppositionspolitiker Yuk Obradovic sagte, nur eine Notfallversorgung in Krankenhäusern und bei der Post bleibe gewährleistet.

Präsident Slobodan Milosevic besteht auf einer Stichwahl am 8. Oktober, während die Opposition darauf beharrt, ihr Kandidat Vojislav Kostunica habe die bereits im ersten Wahlgang gewonnen.

Die Ehefrau von Milosevic, Mirjana Markovic, nannte den Ausgang der Wahlen einen großen Sieg für das Land. Jede Stimme für die Freiheit und die Unabhängigkeit des Landes sei ein Triumph, sagte sie nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Tanjung. Markovic, Vorsitzende der neokommunistischen Vereinigten Linken, ging in ihrer Rede jedoch nicht auf Vorwürfe der Opposition ein, Kostunica habe bei der Wahl die absolute Mehrheit geschafft. Stattdessen behauptete sie, westliche Regierungen hätten Kostunicas Wahlkampf illegal finanziert, um die jugoslawischen Bürger "zu erschrecken, zu verwirren und falsch zu informieren".