Jugoslawien: Milosevic siegessicher - DER SPIEGEL
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Jugoslawien Milosevic siegessicher

Zum ersten Mal in der Geschichte Jugoslawiens dürfen die Wähler heute abstimmen, wer Staatspräsident wird. Amtsinhaber Milosevic lag in Umfragen deutlich hinter Oppositionskandidat Kostunica. Im Kosovo gab es bereits wie befürchtet Zwischenfälle beim Wahlgang.
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Die Wahllokale öffneten am Sonntag pünktlich um 7 Uhr. 7,8 Millionen Wahlberechtigte waren zur Entscheidung über die politische Zukunft Jugoslawiens aufgerufen, davon 7,4 Millionen in Serbien und nur 440.000 in Montenegro. Montenegros westlich orientierte Regierung hatte zum Boykott der Parlamentswahl aufgerufen. Mit ersten Ergebnissen der Abstimmung wurde nicht vor Mitternacht gerechnet.

Präsident Slobodan Milosevic und seine Frau und einflussreiche Koalitionspartnerin Mirjana Markovic wählten am Vormittag im Belgrader Bezirk Dedinje. Zahlreiche Journalisten hatten sich am Wahllokal versammelt. Milosevic gab sich siegessicher. Er erwarte nach den Wahlen die "Säuberung" der politischen Bühne in Serbien, sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tanjug.

Der jugoslawische Ministerpräsident Momir Bulatovic wies Befürchtungen zurück, Milosevic werde sich notfalls mit Hilfe von Manipulationen zum Wahlsieger erklären. "Ob Sie es glauben oder nicht, Milosevic ist ein Demokrat und wird abtreten, falls Kostunica gewinnt", sagte Bulatovic. "Aber ich glaube, Milosevic gewinnt die erste Runde." Bei den jüngsten Umfragen hatte Milosevics Herausforderer Kostunica rund zehn Prozentpunkte Vorsprung. Erhält keiner der insgesamt fünf Präsidentschaftskandidaten die absolute Mehrheit, findet am 8. Oktober ein Stichwahl statt. Im Kosovo wurde ein prominenter serbischer Politiker und Gegner der jugoslawischen Regierung an der Stimmabgabe in seinem Heimatort gehindert. Die Behörden gaben an, sein Name stehe nicht auf der Wählerliste. Momcilo Trajkovic, Mitglied der Partei Demokratische Opposition Serbiens, erklärte dagegen, er habe sein ganzes Leben in der Ortschaft Caglavica verbracht. Weder er noch seine Frau noch die beiden erwachsenen Töchter stünden aber auf der Liste.

Trajkovic warf den Behörden irreguläre Methoden vor. Andere Mitglieder seiner Partei hätten von ähnlichen Problemen in anderen Wahllokalen im Kosovo berichtet. Die Uno-Verwaltung im Kosovo hatte die Wahlen in der südserbischen Provinz zwar erlaubt, jedoch das Aufstellen von Wahlurnen in öffentlichen Gebäuden untersagt und jegliche internationale Hilfe bei der Organisation abgelehnt.

Vertreter der Europäischen Union ließ die jugoslawische Regierung nicht als Wahlbeobachter zu. Außerdem wurden kurz vor der Wahl rund 30 westliche Journalisten des Landes verwiesen. Ein dänischer Journalist wurde am Samstag festgenommen. Die Behörden warfen ihm vor, illegal eingereist zu sein. Ein norwegischer Journalist und sein Kameramann wurden für mehrere Stunden festgehalten, weil sie in der Teilrepublik Montenegro ein Armeegebäude gefilmt haben sollen.