Jugoslawien Was wird aus dem Kosovo?
Belgrad/Luxemburg - Bernard Kouchner warnte bei der Sitzung der EU-Außenminister in Luxemburg, dass nach dem Sieg von Kostunica ein demokratischer Wandel in Belgrad allein noch keine Garantie für die Stabilisierung des Balkans und des Kosovo darstelle.
Kouchner forderte, dass die Aufhebung der EU-Sanktionen an konkrete Schritte Belgrads geknüpft werden, illegal Verhaftete freizulassen und nach verschwundenen Personen zu forschen. "Wir brauchen eine Geste der neuen demokratischen Regierung", sagte der Uno-Verwalter. Die EU-Außenminister wollten am Montag das Ölembargo und das Flugverbot aufheben. Die Konten des ehemaligen Präsidenten Slobodan Milosevic und seiner Gefolgschaft sollen indes eingefroren bleiben. Ebenso bleibt das Uno-Waffenembargo bestehen.
"Kosovo ist immer noch eine Krisengesellschaft", mahnte Kouchner. Die Menschen fürchteten, dass internationale Finanzhilfe nun eher nach Serbien fließen werde als in das Kosovo. Außerdem erwarteten sie negative Auswirkungen auf ihre Bestrebungen nach Unabhängigkeit. Deshalb dürfe jetzt nicht versucht werden, den endgültigen Status der Provinz zu klären. Das könne "zu einem neuen offenen Konflikt führen". Im Kosovo finden am 28. Oktober Kommunalwahlen statt. Danach müsse Belgrad größere administrative Kompetenzen an die Kosovaren übertragen, sagte Kouchner.
Der jugoslawische Verteidigungsminister Dragoljub Ojdanic sieht die serbische Nation unterdessen wegen eines "Machtkampfes" im Land bedroht. Die "Uneinigkeit" helfe nur dem Feind, warnte der General die Nation in einem offenen Brief, den die Nachrichtenagentur Tanjug veröffentlichte. Zwischen wem der Machtkampf in Belgrad ausgetragen werde, erwähnte Tanjug nicht. Ojdanic rief die Serben "zur Vernunft" auf. Nur das Volk "solle sein eigenes Schicksal bestimmen", hieß es in seinem Schreiben weiter. Ojdanic galt als einer der treuesten Anhänger von Milosevic.