Juncker beim Gipfel: Knutschen, Zerren, Salutieren
Jean-Claude Juncker beim EU-Gipfel Nah? 'türlich!
Als Gastgeber steht man in der Pflicht, mag Jean-Claude Juncker sich gedacht haben. Der EU-Kommissionspräsident hatte in Riga die Aufgabe, die Teilnehmer des EU-Gipfels zu empfangen, und er vollzog die Begrüßung mit bemerkenswerter Hingabe.
Gutgelaunt verteilte der Luxemburger Küsschen, links, rechts, und nochmal links, er herzte die Kollegen und verteilte den einen oder anderen freundlichen Klaps an den Kopf. Vor allem die Krawatten der Kollegen hatten es Juncker angetan. Er selbst hatte das Exemplar umgebunden, das die lettische Regierung allen männlichen Gipfelteilnehmern geschenkt hatte. Wann immer Juncker dann bei einem seiner Gegenüber eine ebensolche Krawatte erspähte, amüsierte er sich augenscheinlich prächtig. Den EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn zog er gleich mal am feingemusterten Halsschmuck zu sich heran.
Ausgiebig widmete sich der EU-Kommissionschef auch dem griechischen Premier Alexis Tsipras. Der war zwar ohne Schlips angetreten, wie bei vielen anderen offiziellen Terminen auch. Aber so einfach wollte Juncker ihn nicht davonkommen lassen. Vor den eifrig knipsenden Fotografen hielt er Tsipras die eigene Krawatte vor das Hemd - und freute sich über seinen Scherz. Ob die Gespräche über die höchst angespannte griechische Finanzlage ähnlich launig abgelaufen sind, darf bezweifelt werden.
In seinem Übermut soll sich Juncker auch einen diplomatischen Fehltritt geleistet haben. Den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán habe er mit "Hallo Diktator" begrüßt, berichtete ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP. Orbán bewahrte sein Lächeln. Ob und was er antwortete, konnten die anwesenden Journalisten allerdings nicht hören.
Nun ist der rechtskonservative Orbán durchaus nicht unumstritten, im eigenen Land wie auch international. Eine solch flapsige Begrüßung, und sei sie auch scherzhaft gemeint, leistet sich ein guter Gastgeber trotzdem normalerweise nicht.