Kairo: Erste Festnahmen nach Anschlag auf Basar - DER SPIEGEL
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Kairo Erste Festnahmen nach Anschlag auf Basar

Die ägyptische Polizei meldet nach dem gestrigen Anschlag auf Kairos größten Basar erste Festnahmen: Sie nahm 15 Personen in Gewahrsam. Bei einem der drei bei der Explosion getöteten Menschen soll es sich um den Attentäter gehandelt haben. Eine bislang unbekannte islamische Gruppe bekannte sich zu der Tat.
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Kairo - Wie heute aus ägyptischen Sicherheitskreisen bekannt wurde, ging die Polizei davon aus, dass es sich bei dem noch unidentifizierten Mann um den Attentäter im Khan-al-Khalili-Basar handelt. Der Täter habe wahrscheinlich ein Selbstmordattentat geplant, hieß es bei der Polizei. Möglicherweise habe er aber auch einen Zeitzünder an der Bombe anbringen wollen, die dann zu früh explodiert sei. Polizeiangaben zufolge hatte gestern Nachmittag in dem belebten Basar in der Kairoer Altstadt ein Mann den Sprengsatz in eine Gruppe von Menschen geworfen. Nach den ersten Ermittlungen bestand die Bombe aus einer Mischung aus Schießpulver und Nägeln.

Einen Tag nach dem Anschlag tauchte ein Bekennerschreiben im Internet auf. Die Gruppe nannte sich "Brigaden des islamischen Stolzes im Land des Nils" und erklärte, sie habe mit dem Anschlag gegen die Tyrannei der ägyptischen Regierung sowie die US-Politik im Nahen Osten protestieren wollen. Die Bekenner kündigten an, bald ein Video des Anschlags zu veröffentlichen. Der Nutzer, der die Erklärung auf einer von Extremisten betriebenen Internetseite veröffentlichte, machte keine Angaben über die Herkunft des Dokuments. Auch die Echtheit konnte zunächst nicht bewiesen werden.

"Nach ersten Hinweisen war es die Tat eines Einzelnen", sagte hingegen Ministerpräsident Ahmed Nasief. "Es handelte sich um eine sehr primitive Bombe." Auch Tourismusminister Ahmed al-Maghrabi sagte: "Es war ein Sprengsatz von sehr simpler Bauart, wie er für Taten typisch ist, die von einer Einzelperson geplant und ausgeführt werden."

Vier Franzosen, drei US-Bürger, ein Italiener, ein Türke und neun Ägypter wurden der ägyptischen Regierung zufolge verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert, wo wenig später die Französin starb. Ein US-Bürger sei in der Nacht seinen Verletzungen erlegen, hieß es weiter. Drei schwer verletzte Amerikaner und ein Franzose wurden heute in eine Kairoer Privatklinik verlegt. Ein weiterer französischer Staatsbürger wurde zur Behandlung nach Frankreich geflogen. Zwei Franzosen, ein Italiener und ein Türke konnten inzwischen das Krankenhaus verlassen, in dem auch noch acht verletzte Ägypter behandelt werden. Der Nachrichtensender al-Arabija zeigte heute Bilder, die direkt nach der Explosion aufgenommen worden waren, und auf denen mehrere schwerverletzte Menschen mit blutüberströmten Gesichtern zu sehen sind und Passanten, die nicht wissen, wie sie helfen sollen.

Die US-Botschaft in Kairo forderte nach dem Angriff alle Amerikaner auf, den Khan-al-Khalili-Markt und andere stark von Touristen frequentierte Orte in der ägyptischen Hauptstadt zu meiden. Das Auswärtige Amt empfahl deutschen Besucher dagegen lediglich, "die aktuelle Nachrichtenlage zu verfolgen".

Die offiziell verbotene ägyptische Muslimbruderschaft verurteilte den "feigen Anschlag" und wünschte den Sicherheitskräften Erfolg bei der Suche nach den Verantwortlichen. Noch am Morgen war der Ort des Anschlags abgeriegelt. Gerichtsmediziner untersuchten Leichenteile, Ermittler stellten Beweismaterial sicher. Die Umgebung war mit Glas- und Metallsplittern übersät. Rund um den Tatort im al-Azhar-Viertel sperrten die Sicherheitskräfte mehrere kleinere Straßen. Die Gegend vor der al-Azhar-Moschee und den angrenzenden Khan-al-Khalili-Markt sicherten heute Hunderte von Polizisten.

Der letzte Anschlag auf Touristen in Kairo liegt siebeneinhalb Jahre zurück: Im September 1997 überfielen mutmaßliche islamische Extremisten einen Touristenbus vor dem Ägyptischen Museum und töteten neun deutsche Urlauber und ihren Fahrer. Zwei Monate später fielen 62 Menschen, überwiegend ausländische Touristen, einem Terroranschlag in Luxor zum Opfer.

Im Oktober vergangenen Jahres kamen bei Anschlägen auf Hotels auf der Sinai-Halbinsel 34 Menschen ums Leben. Die ägyptischen Behörden brachten diese Anschläge in Verbindung zum israelisch-palästinensischen Konflikt.