Kanada Ex-Premier Trudeau tot
Montreal - Pierre Trudeau sei am Donnerstag kurz nach 15 Uhr Ortszeit in seiner Heimatstadt Montreal der Parkinson-Krankheit und einem Prostata-Krebsleiden erlegen, teilten seine Söhne Justin und Sacha mit. Trudeau, der 16 Jahre lang Regierungschef war, soll nach Angaben des kanadischen Fernsehsenders CBC in der kommenden Woche bei einem Staatsbegräbnis in Montreal beigesetzt werden.
Die Nachricht von seinem Tod löste überall in Kanada spontane Äußerungen der Trauer und des Respekts aus. Rundfunk- und Fernsehstationen unterbrachen ihre Programme. "Er hat unser Land nun mal geprägt wie kein Zweiter", sagte ein älterer Mann bei einer Fernsehumfrage in der Hauptstadt Ottawa. "Das muss man ihm lassen, ob man ihn mochte oder nicht." Regierungschef Jean Chrétien nannte den früheren Führer der Liberalen Partei "die Verkörperung des Traums von einer gerechten Gesellschaft". Joe Clark, Vorsitzender der Konservativen Partei und Oppositionsführer, erinnerte an den "außerordentlichen Einfluss", den Trudeau auf die Entwicklung Kanadas gehabt habe.
Der charismatische und attraktive Jurist war durch die öffentlich zelebrierte Freundschaft mit Stars wie Barbra Streisand sowie durch seine lockeres und unkonventionelles Auftreten als erster Spitzenpolitiker der Welt zu einem Medienstar geworden.
Hinter der schillernden Fassade habe sich jedoch ein Mann mit Prinzipien verborgen, schrieben Biografen, der hart für seine Ziele gekämpft habe. Davon hatten sich die Kanadier nicht zuletzt 1970 überzeugen können, als er nach Gewaltakten von fanatischen Separatisten, die die französisch geprägte Provinz Quebec abspalten wollten, das Kriegsrecht verhängte. Dass er selbst aus Quebec stammte, hielt den Sohn eines Frankokanadiers und einer schottischen Mutter nie davon ab, für die staatliche Einheit des flächenmäßig zweitgrößten Landes der Erde einzutreten.
International engagierte sich Trudeau für Friedensabkommen, die Ost-West-Verständigung und die Stärkung der Vereinten Nationen, wofür die Regierung des mächtigen Nachbarlandes USA ihn damals noch mit Argwohn und teils offener Ablehnung bedachte.