Karatschi Zwanzig Tote bei Anschlag
Karatschi - Die Bombe detonierte gestern während des Abendgebetes in einer Moschee im Süden der Stadt. Mindestens 13 Menschen wurden getötet, noch einmal so viele verletzt. Tariq Jamil, ein hoher Beamter der Polizei von Karatschi, sagte, bei der Bombe habe es sich um einen Sprengsatz von großer Wucht gehandelt.
Der Anschlag geschah in dem Stadtviertel der riesigen pakistanischen Hafenstadt, in dem gestern ein führender sunnitischer Geistlicher erschossen worden war. Mufti Nizamuddin Shamzai war einer der radikalsten Prediger der Millionenmetropole. In seinen Reden hatte er das Taliban-Regime stets verteidigt und zum Heiligen Krieg gegen die USA aufgerufen. Für seine Ermordung wurden schiitische Extremisten verantwortlich gemacht; bisher hat sich jedoch niemand zu der Tat bekannt. Nach seinem Tod war es bereits zu schweren Krawallen in Karatschi gekommen.
Unmittelbar nach dem Bombenanschlag auf die Moschee kam es zu Ausschreitungen. Hunderte junger Schiiten setzten zwei Polizeifahrzeuge und eine Tankstelle in Brand. Außerdem stürmten sie zwei Regierungsgebäude; sie entwendeten Möbel und zündeten diese an einer Straßenkreuzung an. Die Polizei setzte Tränengas ein. Schüsse waren zu hören, doch es blieb zunächst unklar, wem sie galten und ob es Opfer gab.
Karatschi - Pakistans größte Stadt und das kommerzielle Zentrum des Landes - war in den vergangenen Wochen öfter Schauplatz von Konflikten zwischen Sunniten und Schiiten sowie von Terroranschlägen gewesen. Erst in der vergangenen Woche explodierten zwei Autobomben in der Nähe des US-Konsulats. Ein Teil dieser Gewaltakte geht auf das Konto militanter Islamisten, die mit dem Kurs von Präsident Musharraf unzufrieden sind. Musharraf unterstützt den Kampf der USA gegen den internationalen Terrorismus. Aber auch sunnitisch-schiitische Auseinandersetzungen sind in Karatschi nicht selten.
Präsident Musharraf drückte seine Trauer über den Anschlag aus. Er kündigte einen wichtigen Schritt als Entgegnung auf den Terroranschlag an, führte dies aber zunächst nicht weiter aus.
Es ist nun damit zu rechnen, dass sich die Spirale der Gewalt weiter nach oben dreht und es zu Ausschreitungen zwischen den Anhängern der beiden islamischen Glaubensrichtungen kommt. Karatschi würde damit wieder einmal seinen notorischen Ruf als eine der gewalttätigsten Städte der Welt bestätigen.