Kaschmir-Konflikt: Musharraf will Moslem-Extremisten bekämpfen - DER SPIEGEL
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Kaschmir-Konflikt Musharraf will Moslem-Extremisten bekämpfen

Pakistan hat angesichts wachsenden internationalen Drucks einen umfassenden Kampf gegen den radikalen Islam im Land angekündigt. Der Präsident verbot zwei extremistische muslimische Organisationen.
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Islamabad - In einer vom Fernsehen übertragenen Rede an die Nation sprach Präsident Pervez Musharraf am Samstag, wie von Indien gefordert, ein Verbot gegen zwei extremistische Moslemorganisationen aus, die für den Anschlag auf das Parlament in Neu Delhi Mitte Dezember verantwortlich sein sollen. "Pakistan wird es nicht erlauben, dass sein Territorium für terroristische Aktivitäten genutzt wird", betonte der Militärmachthaber.

Mit Blick auf die Beteiligung der Gruppen Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammed am Untergrundkampf im indischen Teil Kaschmirs sagte Musharraf, "keine Institution darf im Zusammenhang mit Kaschmir terroristische Akte verüben". Es gebe "absolut keine Notwendigkeit, in andere Länder einzudringen". Indien fordert die Zerschlagung der Gruppen, die für den Anschluss des indischen Teils Kaschmirs an Pakistan kämpfen. Die Spannungen zwischen den Atommächten hatten sich nach dem Anschlag auf das Parlament bis zur Kriegsgefahr gesteigert.

Zuletzt hatte der britische Premierminister Tony Blair auf einer Friedensmission vor wenigen Tagen in der jüngsten Kaschmir-Krise von Pakistan die klare Abgrenzung vom Terrorismus verlangt. Auch die USA hatten sich diplomatisch um eine Entschärfung der Lage bemüht.

Musharraf verurteilte scharf den Anschlag auf das indische Parlament, bei dem 14 Menschen getötet wurden. Pakistan werde "entschlossen gegen jeden Einzelnen und jede Organisation im Land oder außerhalb davon vorgehen, die solche Akte begehen."

Im Kampf gegen den religiösen Extremismus müssten sich künftig Moscheen und islamische Religionsschulen registrieren lassen, kündigte der pakistanische Militärmachthaber an. Die Religionsschulen dürften nur nach einem modernen Lehrplan unterrichten. Einige davon seien zu "Brutstätten" des Extremismus geworden, sagte er. Moscheen, in denen zu Intoleranz aufgerufen werden, müssten mit Schließung rechnen.

Indien verlangt Auslieferung

Musharraf lehnte es aber ab, Staatsangehörige seines Landes an Indien auszuliefern, die von Neu Delhi des Terrorismus' bezichtigt werden. Falls es ausreichend Beweise gebe, würden sie unter pakistanischem Recht vor Gericht gestellt. Im Falle von Ausländern werde man "angemessene Schritte" erwägen. Indien hatte die Auslieferung von 20 Personen verlangt, die es als Terroristen bezeichnet.

Unmittelbar vor der mit Spannung erwarteten Rede hatten die pakistanischen Behörden landesweit mehr als 200 Moslemaktivisten festgenommen, die meisten davon in der südlichen Hafenstadt Karachi. Die Festnahmen wurden offiziell als Vorsichtsmaßnahme bezeichnet.

Feuergefechte in Kaschmir

Bei neuen Gefechten an der Grenze in Kaschmir wurden nach indischen Militärangaben am Samstag vier pakistanische Soldaten getötet. Die pakistanische Armee habe zunächst indische Stellungen mit Granaten angegriffen, woraufhin der Beschuss erwidert worden sei, meldete die indische Nachrichtenagentur UNI. Dabei seien auch acht pakistanische Bunker zerstört worden. An der Trennlinie in der umstrittenen Region kommt es immer wieder zu Feuergefechten.

Indische Sicherheitskräfte erschossen überdies in Kaschmir neun mutmaßliche Moslemextremisten. Die meisten von ihnen seien seit Freitag bei Razzien des Militärs getötet worden, meldete UNI weiter. Indien beschuldigt Pakistan, moslemische Guerillas zu unterstützen, die für den Anschluss des Gebiets an Pakistan kämpfen. Radikale Moslemgruppen sollen auch für den Terroranschlag auf das Parlament in Neu Delhi von Mitte Dezember verantwortlich sein.