Kaschmir: Siachen-Problem auf Eis gelegt - DER SPIEGEL
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Kaschmir Siachen-Problem auf Eis gelegt

Die Nachricht brauchte fast eine Woche, bis sie die Basarstadt Skardu in Kaschmir erreichte: Auf dem höchstgelegenen Gefechtsfeld der Welt, dem Siachen-Gletscher, hat eine Lawine zwölf Angehörige der pakistanischen Armee getötet. Zeitgleich endeten die Friedensgespräche um den Gebirgsgletscher ergebnislos.
Von Joachim Hoelzgen
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Eine Katastrophe dieser Art ist auf dem Siachen (ausgesprochen: Sia-tschen) nicht ungewöhnlich. Seit 1984 beanspruchen Pakistan und Indien den Eisstrom, mit 74 Kilometern der längste Gebirgsgletscher des Planeten. Indien hat schwedische Bofors-Geschütze eingeflogen, und die pakistanische Armee beherrscht Schlüsselstellungen unweit des K 2 und in der Saltoro Range, die mit ihren Siebentausendern den Siachen flankiert.

Fast alle der Männer, die in den Schneemassen starben, stammten aus der pakistanischen Baumwoll-Provinz Pundschab. Mit der rauen und abweisenden Region des Siachen waren diese "Jawan" (deutsch: Soldaten) kaum vertraut. Indien dagegen setzte auch schon Gurkhas aus Nepal und Sherpas auf dem Siachen ein, die nicht nur schwere Lasten schleppen, sondern auch die Höhe besser ertragen können.

Immer wieder fallen im Karakorum Gebirgsjäger beider Seiten Lawinen zum Opfer. Andere werden von Steinschlag getötet, und wieder andere erliegen der Höhenkrankheit. Selbst Todesfälle durch Hitzschlag gibt es in der Welt ohne Bäume und Schatten.

Wie Ironie mutet da an, dass zeitgleich mit dem Lawinenunglück in der pakistanischen Militärstadt Rawalpindi Friedensgespräche um den Siachen begannen - und am Ende zu nichts führten: Weder der indische Verteidigungsminister Ajai Vikram Singh noch dessen pakistanischer Amtskollege Tariq Ghazi konnten sich auf eine Entflechtung ihrer Truppen einigen. Stattdessen gab es einen Papierkrieg mit dürren Erklärungen, in denen angekündigt wurde, dass man die Gespräche weiterführen und einen Waffenstillstand beibehalten wolle.

Der übergeordnete Problemfall Kaschmir erweist sich damit weiterhin als nur schwer lösbar - trotz der Cricket-Diplomatie des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf und jüngst einer Busverbindung über die Grenze des geteilten Gebirgsstaats hinweg.

Die Spannungen nehmen sogar wieder zu, da Indiens Premierminister Monmahan Singh am Montag von Islamabad verlangte, die Ausbildungslager von Terroristen im pakistanischen Teil Kaschmirs zu schließen - ein Ansinnen, das prompt zurückgewiesen wurde, da es keine solche Lager gebe.

Ohne Ergebnis blieb in Rawalpindi aber auch ein potentiell noch explosiveres Problem: der Sir Creek, ein Seitenarm des Indus. Das Flussbett in der Salzwüste Rann of Kutch markiert im äußersten Süden die Grenze zu Indien - und das mit Blick auf große Vorkommen von Öl und Erdgas, die sich draußen im Arabischen Meer befinden. Pakistan fordert als Grenzverlauf das indische Ufer der Sir-Creek-Mündung, während Indien die Flussmitte als Grenze wünscht. Von einer Einigung hängt völkerrechtlich ab, wem die unterseeischen Bodenschätze gehören.

Vom Himalaja bis hinab zum Arabischen Meer herrscht zwischen den Atomrivalen Pakistan und Indien auch weiterhin gefährliches Misstrauen.

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