Kelly-Affäre "Ihr werdet mich tot im Wald finden"
London - Bereits im Februar habe Kelly Befürchtungen geäußert, einen Angriff auf Irak nicht zu überleben, sagte Broucher. Er erklärte, Kelly habe seine irakischen Kontakte gedrängt, einer umfassenden Waffeninspektion zuzustimmen, um einen Angriff auf das Land zu vermeiden. Er habe das Gefühl gehabt, Kelly sei wegen der Angelegenheit in persönlichen Schwierigkeiten.
Nach den Angaben befand sich Kelly, der die Uno-Waffeninspektionen im Irak für angemessen und ausreichend hielt, im Hinblick eines Krieges in einem "moralischen Zwiespalt". Schließlich habe er den Irakern versichert, dass ihr Land nicht angegriffen werde, wenn sie mit den Inspekteuren der Vereinten Nationen konstruktiv zusammen arbeiten würden, sagte Broucher.
Broucher traf Kelly seiner Aussage zufolge am 27. Februar in der Schweiz. Auf seine Frage, was im Kriegsfall geschehen werde, habe Kelly damals geantwortet: "Man wird mich wahrscheinlich tot im Wald finden." Er habe Kellys Bemerkungen jedoch nicht ernst genommen und daher erst am 5. August mit seinen Vorgesetzten darüber gesprochen.
Das Verteidigungsministerium gab Kellys Namen am 10. Juli als Quelle eines BBC-Berichts bekannt, in dem es hieß, die britische Regierung habe die Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen aufgebauscht, um den Krieg zu rechtfertigen. Fünf Tage später musste der Waffenexperte vor einem Parlamentsausschuss zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs aussagen. Am 18. Juli nahm sich der 59-Jährige das Leben.
Nach der Bekanntgabe seines Namens habe Kelly geschockt gewirkt, sagte auch der "Sunday-Times"-Journalist Nick Rufford. Wenige Tage vor seinem Termin vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss habe Kelly bei einem Treffen gesagt, er sei "etwas schockiert", dass sein Name den Medien genannt worden sei. Schon in den vergangenen Wochen sei es nicht einfach für ihn gewesen, habe der Waffenexperte erklärt. Kelly habe bei dem Treffen blass und müde ausgesehen.
Blair und Hoon kommende Woche vor dem Ausschuss
Am kommenden Mittwoch soll Verteidigungsminister Geoff Hoon vor der Ermittlungskommission aussagen. Für Donnerstag kündigte der Ausschussvorsitzende, Lordrichter Brian Hutton, die Aussage von Premierminister Tony Blair an.
Am Mittwoch war bei der Befragung des Blair-Sprechers Tom Kelly vor dem Ausschuss erneut deutlich geworden, dass Downing Street Anfang Juli aktiv an der Diskussionen um die Identifizierung Kellys beteiligt war. Blairs engster Berater und Kommunikationschef Alastair Campbell soll danach vorgeschlagen haben, der Presse den Namen des Waffenexperten "zuzustecken". Diese Idee sei dann jedoch als "schlecht" verworfen worden. Kellys Name war nach bisherigen Berichten aus den Reihen des Verteidigungsministeriums an die Öffentlichkeit durchgesickert.