Kenia: Odinga bläst Demonstration ab - DER SPIEGEL
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Kenia Odinga bläst Demonstration ab

Angst vor Gewalt: Kenias Oppositionsführer Odinga sieht für sein Land die Gefahr eines Bürgerkrieges - und ist bereit, mit Präsident Kibaki eine Einheitsregierung zu bilden. Die für morgen geplante Großdemonstration hat er abgesagt - stattdessen soll es Vermittlungsgespräche mit der politischen Führung geben.
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Nairobi - Es ist ein Angebot an Präsident Mwai Kibaki: Der kenianische Oppositionsführer Raila Odinga ist zur Bildung einer Einheitsregierung mit dem Präsidenten bereit. "Wir bieten eine Übergangsregierung zwischen Kibakis und meiner Partei an. Die Koalition soll drei Monate dauern", sagte er in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". In dieser Zeit müsse die Wiederholung der Präsidentenwahl vorbereitet werden.

Kibaki hatte der Opposition am Samstag eine Einheitsregierung angeboten, was Odinga aber zunächst ablehnte. Von seiner Bereitschaft, eine Neuauszählung der Stimmen vorzunehmen, rückte Odinga hingegen ab: "Die Dokumente sind in den vergangenen Tagen gefälscht worden. Sie noch einmal auszuwerten, ergibt keinen Sinn."

Der 62-Jährige erklärte heute in Nairobi, die für morgen geplante Großdemonstration werde nicht stattfinden. Vielmehr sollten nun Vermittlungsgespräche geführt werden. "Wir werden unsere Unterstützer landesweit informieren, dass es keine Demonstrationen gibt."

Odinga warnte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" auch vor einem drohenden Bürgerkrieg in Kenia. "Es besteht zurzeit eine große Gefahr, denn im ganzen Land herrschen Unruhen. Viele Kenianer sehen die Demokratie bedroht", sagte Odinga. Kenia müsse "eine Situation wie in der Elfenbeinküste im Jahr 2000 nach den Wahlen" vermeiden. Dort war es nach gefälschten Wahlen ebenfalls zu Unruhen gekommen. "Die Wirtschaft der Elfenbeinküste ist vernichtet. Und es gibt dort immer noch einen Bürgerkrieg", erklärte Odinga.

Bei anhaltenden Unruhen sind in der vergangenen Nacht sieben Menschen im Westen Kenias getötet worden. "Sie wurden im Bezirk Transoia getötet, als sie versuchten, eine Polizeistation anzugreifen, in der sich Vertriebene niedergelassen hatten", sagte ein verantwortlicher Polizist.

Den gewaltsamen Auseinandersetzungen nach der Präsidentenwahl sind laut jüngsten Regierungsangaben 486 Menschen zum Opfer gefallen. Weitere 255.000 Menschen seien auf der Flucht vor der Gewalt, erklärte das Ministerium für Sonderprogramme am Montag in Nairobi. Die Zahl der Toten wurde von einem Sonderkomitee humanitärer Dienste ermittelt, das die Regierung eingerichtet hatte. Die Mitglieder des Komitees waren in den Gebieten unterwegs, die besonders von den Ausschreitungen betroffen waren.

hen/AFP/AP