Kenia Opposition ruft zu Massendemonstration auf
Nairobi - Die Kundgebung soll am Mittwoch nächster Woche im Uhuru-Park in der Hauptstadt Nairobi stattfinden. Die Partei reagiere damit auf das Scheitern der internationalen Bemühungen zur Beilegung der politischen Krise im Land, erklärte der Generalsekretär der Oppositionspartei Orange Democratic Movement (ODM), Anyang Nyongo.
Ein Sprecher der ODM sagte, die Regierung unter Präsident Kwai Kibaki habe keine Bereitschaft zum Dialog gezeigt. Eine zunächst für Dienstag dieser Woche geplante Massenkundgebung war abgesagt worden, um einen "friedlichen Rahmen" für die Vermittlungsgespräche des ghanaischen Präsidenten und Vorsitzenden der Afrikanischen Union John Kufuor zu schaffen. Kufuor hatte Nairobi gestern Abend verlassen, ohne dass es zu einer Einigung gekommen war.
Oppositionsführer Raila Odinga erkennt den Sieg Kibakis bei den Präsidentenwahlen am 27. Dezember nicht an und spricht von Wahlbetrug. Auch internationale Wahlbeobachter hatten Zweifel an der korrekten Auszählung der Stimmen geäußert.
Nach der Wahl war es in den Slums von Nairobi und vielen Teilen des Landes zu blutigen Unruhen mit rund 600 Toten gekommen. Rund 250.000 Menschen ergriffen die Flucht.
Millionenverluste für Tourismusbranche
In dem Konflikt soll nun eine Vermittlergruppe unter Vorsitz des ehemaligen Uno-Generalsekretär Kofi Annan einen Ausweg suchen. Es wird damit gerechnet, dass Annan in der kommenden Woche nach Kenia reist.
Unterdessen hat die Tourismusbranche in Kenia in Folge der Unruhen Millionenverluste erlitten. Der geschätzte Verlust für die Hotels des Landes betrage allein im Januar vier Milliarden Kenianische Schilling (42 Millionen Euro), erklärte der Kenianische Tourismusverband. Die Zahl werde voraussichtlich wachsen, wenn alle Anbieter den Umfang der Stornierungen zusammengetragen hätten. Allein in der Woche nach der Wahl am 27. Dezember habe die Tourismusindustrie einen "unsagbaren Schaden" erlitten, hieß es. Die Krise im Land habe die Ergebnisse von "Jahren der Planung und des gemeinsamen Marketings" zunichte gemacht.
Die Auslastung in den Hotels in der Hauptstadt Nairobi sowie in den bei Touristen beliebten Küstengebieten sei um 50 Prozent zurückgegangen, erklärte der Branchenverband. Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, würden bis März 20.000 Arbeitsplätze im Hotelsektor verlorengehen. Die Anbieter von Charterflügen beklagen den Angaben zufolge eine Auslastungsrate von unter 15 Prozent. Der Tourismus ist für Kenia die wichtigste Einnahmequelle für Devisen. Vergangenes Jahr erschwirtschaftete die Branche nach eigenen Angaben umgerechnet rund 600 Millionen Euro.
Mehrere Länder haben für Kenia Reisewarnungen ausgesprochen. Der Anfang Januar veröffentlichte Hinweis des Auswärtigen Amts in Berlin, in dem bis auf Weiteres "dringend" von nicht notwendigen Reisen nach Kenia abgeraten wird, gilt weiterhin.
anr/dpa/AFP