Kirgisien Opposition kündigt Proteste in der Hauptstadt an
Moskau - "Unser nächstes Ziel ist natürlich Bischkek, das Präsidentenamt", sagte heute die Oppositionspolitikerin und frühere Außenministerin Rosa Otunbajewa der Moskauer Zeitung "Iswestija". Zugleich will auch die Regierung ihre Anhänger mobilisieren. Staatssekretär Osmanakun Ibraimow sagte, die Regierungsanhänger sollten sich dem Mob entgegenstellen.
Die Opposition soll den Süden des Gebirgslandes fast vollständig unter Kontrolle haben. In den beiden wichtigsten Städten, Osch und Dschalal-Abad, kontrollieren die Regierungsgegner alle Verwaltungsgebäude und die Flughäfen. Die Sicherheitskräfte seien übergelaufen, sagte Otunbajewa. Die Landebahnen der Flughäfen wurden unbrauchbar gemacht, um eine Truppenverlegung dorthin zu verhindern.
Ein Sprecher des Präsidenten Askar Akajew bezeichnete heute die Unruhen als Teil eines Putsches, der von Kriminellen inszeniert werde. Eine "dritte Macht" mit Verbindungen zur Drogenmafia sei für die Lage in Osch und Dschalal-Abad verantwortlich. Die Opposition sei dort nicht Herr der Lage, wurde Abdil Segisbajew von der russischen Nachrichtenagentur "Interfax" zitiert.
Gestern hatte Akajew als erstes Zeichen des Einlenkens angeordnet, die Ergebnisse der umstrittenen Parlamentswahl teilweise zu überprüfen. Die Wahlkommission erklärte heute die Ergebnisse der Wahl für legitim und endgültig. Dies gelte für 71 von 75 Wahlbezirken, sagte Kommissionschef Sulaiman Imanbajew in Bischkek.
Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat alle Seiten in der zentralasiatischen Republik zur Zurückhaltung aufgerufen. Der Generalsekretär sei wegen der Gewaltausbrüche sehr besorgt, sagte ein Sprecher Annans gestern Abend in New York. Zugleich begrüßte Annan die Ankündigung Akajews, den Dialog mit der Opposition suchen zu wollen. Auch die USA riefen Akajew auf, die Krise friedlich zu lösen. Russland forderte alle Seiten auf, sich an die geltenden Gesetze zu halten.
Bei der Parlamentswahl am 27. Februar und der Stichwahl am 13. März hatte die Opposition nur sechs von 75 Mandaten gewonnen. Gestern hatten 17.000 Anhänger der Opposition in Dschalal-Abad und Osch demonstriert und einen Rücktritt Akajews gefordert, der das Land seit 15 Jahren regiert.