Konflikt mit Pakistan Obama nennt Nato-Angriff "Tragödie"
Islamabad - Zwei Tage nach dem Nato-Angriff auf einen pakistanischen Grenzposten hat sich auch US-Präsident Barack-Obama zu dem Vorfall geäußert: Der Luftangriff, bei dem 24 pakistanische Soldaten getötet wurden, sei eine Tragödie. Die USA nähmen den Vorfall sehr ernst, ließ er über seinen Sprecher Jay Carney am Montag in Washington mitteilen. Er wolle weiterhin mit Pakistan zusammenarbeiten, die Beziehungen zu dem Land seien jedoch von jeher "sehr kompliziert".
Bereits gestern hatte sich US-Außenministerin Hillary Clinton zu dem Luftangriff geäußert und Pakistan angesichts der vielen Toten ihr Beileid ausgesprochen. Ihre Aussage reichte Pakistan jedoch nicht aus, ein Armeesprecher im nordwestpakistanischen Peschawar bezeichnete die Entschuldigung als "Witz" .
Am Samstag war es im Stammesgebiet Mohammed an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan zu einem Nato-Angriff auf einen pakistanischen Grenzposten gekommen. Die Ursachen des bisher blutigsten Vorfalls in der Auseinandersetzung sind bisher noch ungeklärt. Nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen waren internationale Truppen zuerst von Pakistan aus beschossen worden und hatten dann Luftunterstützung angefordert.
Der Angriff verschärft die ohnehin großen Spannungen zwischen Pakistan und den USA. Pakistan droht nun, die Zusammenarbeit bei den Friedensbemühungen in Afghanistan drastisch einzuschränken. Als eine erste Reaktion hatte das Land die Nato-Nachschubrouten nach Afghanistan gesperrt, an der Grenze stauten sich Hunderte Lastwagen mit Lieferungen - eine Zielscheibe für Militante. Eine Rückkehr zur Normalität könne es nicht geben, sagte Ministerpräsident Yusuf Reza Gilani am Montag dem US-Sender CNN.
Keine Teilnahme an Afghanistan-Konferenz?
Pakistan zieht außerdem offenbar in Betracht, der Bonner Afghanistan-Konferenz am kommenden Montag fernzubleiben. Eine solche Reaktion wäre verständlich, erklärte das US-Außenministerium in Washington. Außenamtssprecher Mark Toner betonte jedoch, die Beziehungen der beiden Länder seien "lebenswichtig", und forderte Pakistan zur Teilnahme an der Konferenz auf. Aus Sicht der USA kommt Pakistan mit seinen engen Beziehungen zu bewaffneten Gruppen in Afghanistan eine Schlüsselrolle bei der Befriedung des Nachbarlandes zu. Bis Ende 2014 will die Nato ihre Kampftruppen vom Hindukusch abgezogen haben.
Der Chefsprecher der pakistanischen Armee, Athar Abbas, hingegen wies die Anschuldigungen zurück und erhob seinerseits schwere Vorwürfe: Obwohl Pakistan Nato-Vertreter nach Beginn des Beschusses sofort darum gebeten habe, das Feuer einzustellen, habe der Angriff weitere eineinhalb Stunden gedauert. Die Nato sprach von einem tragischen Zwischenfall und kündigte Untersuchungen an.
Nach China auch Russland auf Pakistans Seite
China hatte sich angesichts der Vorkommnisse "tief geschockt" gezeigt und die Nato dazu aufgefordert, die Unabhängigkeit Pakistans zu respektieren. Nun schlug sich auch Russland auf die Seite Pakistans und forderte die Nato dazu auf, Pakistans Souveränität zu respektieren: Auch der Kampf gegen den Terror sei keine Entschuldigung dafür, Pakistans Rechte einzuschränken, hieß es aus dem Außenministerium.