Korruptionsskandal Israels Präsident Weizman zurückgetreten
Jerusalem - Unter dem massiven Druck der Öffentlichkeit und engster politischer Freunde hatte Weizman schon vor Wochen seinen Rücktritt angekündigt. Er übergab am Montagabend Parlamentspräsident Avraham Burg sein Rücktrittsgesuch. Seine reguläre zweite Amtszeit wäre erst 2003 zu Ende gegangen. Der Nachfolger Weizmans soll am 31. Juli gewählt werden. Bis dahin übernimmt Burg, der den Rücktritt im Parlament bekannt gab, die Amtsgeschäfte des Präsidenten.
Weizman hatte sich monatelang gegen den Rücktritt gewehrt. Er hatte in den achtziger und neunziger Jahren umgerechnet etwa eine Million Mark in Form von Geldgeschenken von zwei Industriellen angenommen, sie aber weder versteuert noch öffentlich bekannt gemacht, wie das für Politiker vorgeschrieben ist.
Ende Mai hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Weizman aus formalen Gründen eingestellt, ihn aber als moralisch schuldig bezeichnet. Burg hatte Weizman daraufhin in einem scharf formulierten Brief zum Rücktritt aufgefordert. Andernfalls werde ihn die Knesset per Beschluss aus dem Amt entfernen.
Der Rücktritt des Präsidenten wird erst am kommenden Mittwoch rechtsgültig. Spitzenkandidat für die Weizman-Nachfolge ist der Friedensnobelpreisträger und frühere israelische Ministerpräsident Schimon Peres, 76, der als Kandidat für den regierenden "Ein Israel"-Block antritt. Peres wird bei der Wahl durch die Knesset am 31. Juli gegen den Kandidaten des oppositionellen Likud-Blocks, Mosche Katsav, 54, antreten.