Kosovo: EU-Fahnder wollen Ex-Rebellenführer anklagen - DER SPIEGEL
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Kosovo EU-Fahnder wollen ehemalige Rebellenführer anklagen

Eine Ermittlungsgruppe der Europäischen Union will führende Mitglieder der ehemaligen "Befreiungsarmee des Kosovo" anklagen. Die Beweise für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien ausreichend.
EU-Ermittler Williamson: Wertete Tausende Dokumente aus und befragte Hunderte Zeugen
EU-Ermittler Williamson: Wertete Tausende Dokumente aus und befragte Hunderte Zeugen

EU-Ermittler Williamson: Wertete Tausende Dokumente aus und befragte Hunderte Zeugen

Foto: FRANCOIS LENOIR/ REUTERS
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Brüssel - Hunderte Verbrechen, die nach dem Ende des Kosovo-Krieges begangen wurden, sind noch immer ungeklärt. Nun wollen Ermittler hochrangige Rebellenführer vor Gericht stellen. Führende Mitglieder der ehemaligen "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) zur Zeit des Bürgerkriegs sollen angeklagt werden. Chefermittler Clint Williamson sagte am Dienstag, es gebe ausreichende Beweise für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

"Diese Individuen tragen Verantwortung für eine Verfolgungskampagne, die sich gegen ethnische Serben, Roma und andere Minderheiten im Kosovo richtete", sagte Williamson. Auch Albaner wurden als angebliche Kollaborateure verfolgt. Konkrete Namen nannte Williamson nicht. Einige UCK-Führer wurden nach Ende des Bürgerkriegs Ende der 90er Jahre hochrangige Politiker im mehrheitlich albanisch bewohnten Kosovo.

Für die Ermittlungen wurden laut Williamson Tausende Dokumente ausgewertet und Hunderte Zeugen befragt. Das Problem dabei: Zeugen seien eingeschüchtert worden und würden es noch immer, so Williamson. Drei Jahre lang ermittelte er, seine Ergebnisse decken sich nun zu großen Teilen mit dem Bericht des Schweizer Europaabgeordneten Dick Marty von 2010/11. Darin beschuldigt Marty unter anderem Kosovos bisherigen Regierungschef Hashim Thaci, einst als Rebellenführer an der Entführung von Serben beteiligt gewesen zu sein.

Vorwurf: Organhandel

Dabei wird auch der Vorwurf des Organhandels geäußert: Bis zu zehn Gefangenen sollen Körperteile entnommen worden sein, um sie zu verkaufen. Thaci bestreitet die Vorwürfe und spricht von einem von Serben gesteuerten politischen Komplott gegen ihn. Laut Williamson seien die Beweise in diesem Punkt nicht ausreichend.

Die Anklage solle erhoben werden, sobald es die Möglichkeit für einen unabhängigen und transparenten Prozess gebe, der auch höchsten Zeugenschutz garantiere. Auf die Einrichtung eines Sondergerichtshofs müssen sich die EU und die Regierung in Pristina noch verständigen.

vek/dpa/AFP