Krieg in Gaza Hamas signalisiert Bereitschaft zu Waffenruhe
Gaza/Tel Aviv - Er ist an einem unbekannten Ort im Gaza-Streifen untergetaucht, jetzt hat sich Hamas-Führer Ismail Hanija erneut zu Wort gemeldet. In seiner zweiten Fernsehansprache seit dem 31. Dezember hat der Chef der islamistischen Organisation die Bereitschaft zu einer Waffenruhe signalisiert.
Die Hamas sei zur Zusammenarbeit für jede Initiative bereit, die "die Aggression gegen unsere Menschen" beende, sagte Hanija am Montag in einer aufgezeichneten Fernsehansprache. Als Bedingungen nannte der frühere Hamas-Ministerpräsident einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Gaza-Streifen und eine Öffnung aller Grenzübergänge.
Aus Furcht vor einem Attentat ist er wie andere führende Hamas-Politiker seit Beginn der israelischen Offensive am 27. Dezember an unbekanntem Ort im Gaza-Streifen untergetaucht.
Hanija forderte die 1,5 Millionen Palästinenser im Gaza-Streifen zur Standhaftigkeit auf und versprach einen baldigen Sieg. Gaza werde nicht fallen, sondern trotz der beispiellosen Zerstörung mit Hilfe Gottes triumphieren. Die Einwohner von Gaza hätten weder Angst noch würden sie wegen des Verlustes von geliebten Angehörigen weinen, sagte er weiter. "Wir haben bald eine Verabredung mit dem Sieg über einen Feind, der kein Mitleid mit Steinen, Bäumen und Menschen kennt." Hanija sagte außerdem: "Das Blut, das geströmt ist, wird nicht umsonst geströmt sein, denn es wird uns den Sieg bringen."
Zuvor hatte sich Israels Regierungschef Ehud Olmert zu den Möglichkeiten für ein Ende der Kämpfe geäußert. "Wir wollen die Offensive beenden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: das Ende des Raketenbeschusses und das Ende der Waffenlieferungen an die Hamas", sagte er bei einem Besuch im südisraelischen Aschkelon, das die Palästinenser immer wieder mit Raketen beschießen. Hamas-Kämpfer feuerten auch am Montag ihre Geschosse auf Süd-Israel, nach Armeeangaben fast 30 Stück.
Mit Panzern und einem massiven Aufgebot an Streitkräften setzte die israelische Armee am Montag ihren Vorstoß in der Stadt Gaza fort. Israelische Infanteristen, die von Tausenden frisch eingezogenen Reservisten unterstützt werden, kämpfen im gesamten Gaza-Streifen gegen den erbitterten Widerstand der Hamas an. In den Vierteln Eidschlin, Tuffa und Seitun im Süden der Stadt Gaza rücken Panzereinheiten immer weiter vor, wie Bewohner berichten. Im Süden rücken die israelischen Truppen in Chan Junis vor, wo Augenzeugen von 35 zerstörten Häusern berichten. Den verstärkten Einsatz von Reservisten werten Beobachter als Anzeichen für den Beginn einer neuen Phase der Offensive.
Bei den jüngsten Kämpfen seien 25 Palästinenser getötet worden, berichteten Rettungskräfte vor Ort. Seit Beginn der Offensive am 27. Dezember starben demnach mehr als 900 Menschen auf palästinensischer Seite, über 4100 wurden verletzt. Auch zehn Soldaten und drei Zivilisten aus Israel starben.
Die Uno-Resolution zum Gaza-Krieg
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Israelis und Palästinenser auf, die Vorgaben der Vereinten Nationen zu respektieren und die Gewalt im Gaza-Streifen umgehend zu beenden. "Die (Uno-)Resolution ist bindend. Alle Mitgliedstaaten müssen sie befolgen", sagte Ban am Montag in New York. "Es ist Zeit, Tod und Zerstörung zu stoppen."
Der Uno-Chef kündigte an, dass er bei einer einwöchigen Reise in die Region auf die Umsetzung der Uno-Vorgaben dringen wird. Beide Seiten müssten bei den Gesprächen in Kairo einem sofortigen Waffenstillstand zustimmen. Das bedeute sowohl eine Einstellung des Raketenfeuers auf Israel durch die Hamas wie auch ein Ende der israelischen Bodenoffensive im Gaza-Streifen, sagte er. "Im Namen der Menschlichkeit und des internationalen Rechts - diese Resolution muss befolgt werden."
Stationen von Bans Reise sind ab Dienstag Ägypten, Jordanien, Israel, Ramallah, die Türkei, Libanon und Syrien. Zudem will der Uno-Chef an einem Treffen der Arabischen Liga in Kuwait teilnehmen. Gespräche mit der im Gaza-Streifen herrschenden islamistischen Hamas sind nicht geplant. Ban betonte jedoch, dass die Uno-Kräfte vor Ort auch mit der Hamas in Verbindung stehen.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte am Freitag eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen im Gaza-Streifen verlangt, ohne dass bisher etwas geschehen wäre. Israels Außenministerin Zipi Livni erklärte: "Ich akzeptiere nicht, dass die Vereinten Nationen bei einem Krieg gegen den Terror entscheiden, wann er beendet wird." Ban sagte, er sei "sehr frustriert und besorgt", dass die Resolution nicht eingehalten werde. Zwangsmittel haben die Vereinten Nationen nicht.