Kriegsende: "Polen wurde ausgeliefert" - DER SPIEGEL
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Kriegsende "Polen wurde ausgeliefert"

Auch in Polen wurde am Wochenende des 60. Jahrestags des Kriegsendes gedacht. In die Reden über den "Tag des Sieges" mischten sich aber auch kritische Töne über die Rolle der Sowjetunion in der Nachkriegszeit.
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Warschau/Breslau - Politiker, Veteranen und Bevölkerung haben am Wochenende in Polen und zum wahrheitsgetreuen Umgang mit der Geschichte aufgerufen. "Morgen werden die höchsten Vertreter vieler Staaten in Moskau die Soldaten aller Armeen der Anti-Hitler-Koalition ehren", sagte Ministerpräsident Marek Belka heute bei einem Treffen mit Veteranen in Warschau. "Wir wollen glauben, dass dort ehrliche Worte der Wahrheit über das Heldentum der Kriegsjahre fallen, aber auch über Verrat und Unfreiheit der Nachkriegsjahre."

Auf der Konferenz von Jalta sei nicht über blutige Opfer auch der polnischen Kämpfer und Bevölkerung gesprochen worden, sondern über Einflusszonen, erinnerte er an die Teilung Europas durch die Alliierten. "Polen wurde Stalin auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert."

"Es hängt von uns, den Menschen guten Willens, ab, das Böse der Vergangenheit zu besiegen", hatte Staatspräsident Aleksander Kwasniewski am Samstag auf der zentralen polnischen Gedenkfeiern in Breslau (Wroclaw) gesagt, das er als das "schlagende Herz Europas" bezeichnete. Wie der ganze europäische Kontinent sei die Stadt Opfer des Totalitarismus geworden.

Verbunden mit der deutschen, österreichischen, tschechischen und polnischen Geschichte sei die Stadt Heimat vieler Völker und als "Festung Breslau" Schauplatz eines der besonders dramatischen Kapitel des Zweiten Weltkriegs gewesen. Der Name Breslau stehe für die Völkerwanderungen der Nachkriegszeit. Der Zweite Weltkrieg und die Erfahrung nationalsozialistischer Besatzung habe Polen dramatisch verändert. "Nach Auschwitz und Majdanek, Treblinka und Sobibor ist nichts mehr, wie es war", betonte Kwasniewski.

Der Staatspräsident würdigte den Mut der polnischen Soldaten, die im polnischen Untergrundstaat und als Soldaten der alliierten Armeen an allen Fronten und in allen großen Schlachten für die Befreiung Europas und der eigenen Heimat kämpften. Er erinnerte an die Hunderttausenden von Sowjetsoldaten, die für die Befreiung Polens gestorben seien. "Wir werden ihr Opfer niemals vergessen" versprach er.

Zugleich aber sei der Tag des Sieges über das nationalsozialistische Deutschland für Polen und andere Länder der Region nicht ausschließlich mit Befreiung und Hoffnung verbunden, erinnerte Kwasniewski an die Folgen der Beschlüsse von Jalta. "Das Ende des Krieges bedeutete nicht die Wiedererlangung der Souveränität."

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