Krise in Pakistan Bhutto-Sohn bittet um Privatsphäre
London - Es ist schwer vorstellbar, dass dieser Mann Pakistans Hoffnung sein kann. Dass er dieses tief gespaltene Land irgendwann versöhnen und einen kann. Er ist noch ein halbes Kind, dieser Bilawal Bhutto Zardari, gerade einmal 19 Jahre alt, zarte Gesichtszüge, das dunkle Haar mit Gel zurückgekämmt. Der Sohn Benazir Bhuttos weiß, dass er noch zu jung ist, um das politische Vermächtnis seiner ermordeten Mutter Benazir Bhutto zu verwalten, dass er noch zu unerfahren ist für die große Politik.
Die Pakistan People's Party trotzdem zu ihrem neuen Vorsitzenden gekürt, er soll die Bhutto-Dynastie fortführen. Vorerst aber, so ist die Abmachung, wird sein Vater und Stellvertreter Asif Zardari die Fäden der Partei ziehen. Bilawal soll zunächst sein Studium an der britischen Elite-Uni in Oxford zu Ende bringen, für das er sich im Herbst 2007 eingeschrieben hat.
Das Studium habe Priorität, betonte der Bhutto-Sohn heute auf seiner ersten eigenen Pressekonferenz in London. "Ich weiß, dass ich niemals weise genug sein werde, um die politische Arena zu betreten, wenn ich meine Ausbildung nicht beenden und ausreichend Reife entwickeln kann", sagte der junge Mann.
Aufmerksam, aber auch ein wenig unsicher blickte er in den mit Journalisten voll besetzten Saal, gab kurze Antworten auf die Fragen, sein Englisch mit starkem britischem Akzent gefärbt. "Ich habe auch Politik im Blut", betonte Bilawal. "Und obwohl ich zugeben muss, dass meine Erfahrung derzeit begrenzt ist - ich will lernen." "Schritt für Schritt" wolle er in die Position des Parteivorsitzenden wachsen. Für die Zeit dieses Lernprozesses bittet Bhutto die Medien um Zurückhaltung. "Ich fürchte um meine Privatsphäre", sagte der Nachwuchspolitiker - die Frage des Journalisten zielte eigentlich darauf, ob auch er sich nun vor einem Anschlag sorge.
Die Oppositionsführerin Benazir Bhutto war am 27. Dezember bei einem Attentat in Rawalpindi getötet worden. Die Parteispitze berief daraufhin Benazirs Sohn als ihren Nachfolger, obwohl Kandidaten für ein offizielles politisches Amt in Pakistan mindestens 25 Jahre alt sein müssen.
"Man hat in diesem Moment der Krise erkannt, dass die Partei eine enge Verbindung zu meiner Mutter über die Geburtslinie braucht", sagte Bilawal Bhutto und entgegnete damit auch Vorwürfen, die Machtübergabe innerhalb der Familie sei undemokratisch. Er habe keine Ambitionen auf den Posten gehegt. "Ich wurde gerufen."
Bilawal Bhutto fordert Uno-Untersuchung
Bilawal Bhutto forderte wie schon seine Partei zuvor eine unabhängige Untersuchung des Mordes an seiner Mutter unter der Führung der Vereinten Nationen. "Wir glauben nicht, dass eine Untersuchung unter Führung der pakistanischen Behörden die notwendige Transparenz hat", sagte Bhutto.
Bisher hat die pakistanische Regierung nur die Hilfe eines britischen Ermittlungsteams angenommen. Die Experten von Scotland Yard sollen zudem Verstärkung von einem bekannten einheimischen Ermittler bekommen. Zubair Mahmood, der den 2002 begangenen Mord an dem US-Journalisten Daniel Pearl vom "Wall Street Journal" aufklärte, werde mit den britischen Ermittlern zusammenarbeiten, sagte ein pakistanischer Regierungsvertreter in Islamabad. Zubairs Mahmoods Erfahrung bei Aufsehen erregenden Fällen werde bei den Untersuchungen des Bhutto-Mordes sehr hilfreich sein, fügte ein Beamter des Innenministeriums hinzu.
Zubair Mahmood leitete die Untersuchungen, nachdem der US-Journalist Pearl vor sechs Jahren in der südpakistanischen Stadt Karatschi von radikalen Islamisten entführt und schließlich enthauptet worden war. Dem Polizisten gelang es, die Verantwortlichen der Tat zu finden.
phw/dpa/AP/AFP