Kuba Schluss mit Deutschland-Boykott
Havanna - Die kubanische Regierung erklärte heute, dass sie wieder diplomatische Beziehungen zu acht EU-Staaten aufgenommen habe (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Griechenland, Schweden, Portugal). Die Entscheidung kommt einen Monat nachdem auch die Beziehungen zu Ungarn und Spanien wieder normalisiert wurden.
Die Kontakte waren eingefroren worden, nachdem die kubanische Regierung im März 2003 75 Regimegegner verhaftet und drei Männer exekutiert hatte. Aus Protest reduzierten die EU-Diplomaten daraufhin hochrangige Besuche der Insel und luden Dissidenten zu ihren Cocktailempfängen in Havanna ein - nach dem Vorbild des US-Botschafters.
Das wiederum erzürnte den Diktator Fidel Castro derart, dass die Regierung fortan den Kontakt zu den Botschaften abbrach: EU-Diplomaten wurden nicht mehr eingeladen, Telefonanrufe nicht mehr entgegengenommen.
Auf Druck der sozialdemokratischen Regierungen Ungarns und Spaniens überdachte die EU ihre Kuba-Politik. Am 14. Dezember verständigte sich eine Arbeitsgruppe darauf, auf die Einladung von Dissidenten zu verzichten. Die endgültige Entscheidung fällen die EU-Außenminister bei ihrem nächsten Treffen.
Europäische Diplomaten begrüßten die Normalisierung der Beziehungen und versuchten gleichzeitig, den Eindruck des Einknickens zu verwischen. Man werde weiter auf die Freilassung der politischen Häftlinge dringen, behaupteten EU-Vertreter gegenüber Reuters. Im Vorfeld des Treffens der EU-Arbeitsgruppe hatte Kuba 14 der 75 Gefangenen freigelassen.
Das Tauwetter steht im Kontrast zum US-kubanischen Verhältnis, das zuletzt immer frostiger wurde. Vergangenes Jahr verschärfte die Bush-Regierung das Embargo. Castro antwortete mit einem Dollarverbot auf der Insel.
Auch die EU ist sich nicht einig. Nicht alle Mitgliedsstaaten machen bei dem jüngsten Kuhhandel mit. So stehen die Niederlande, Tschechien, Polen und die Slowakei weiterhin auf Castros schwarzer Liste. Sie fordern die Freilassung aller politischen Gefangenen, bevor sie ihre Haltung ändern.