"Kursk"-Krise: Letzte Hoffnung "LR5" - DER SPIEGEL
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"Kursk"-Krise Letzte Hoffnung "LR5"

Nach weiteren vergeblichen Versuchen zur Bergung der Mannschaft auf der gesunkenen "Kursk" konzentrieren sich die letzten Hoffnungen auf das britische Mini-U-Boot "LR5". Präsident Putin kehrt unter massiver Kritik an seinem Verhalten nach Moskau zurück.
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Moskau - Das norwegische Transportschiff mit dem Rettungs-U-Boot an Bord kommt nach Angaben des Londoner Verteidigungsministeriums gut voran. Trotz voller Kraft erreicht es aber nur knapp 30 Kilometer pro Stunde. Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums äußerte sich zuversichtlich, dass das Mini-U-Boot "LR5" an der am vergangenen Samstag mit 118 Menschen an Bord gesunkenen "Kursk" andocken könne.

In einem ersten Tauchgang soll das wegen seiner Wendigkeit als "Unterwasserhubschrauber" bezeichnete Boot Sauerstoff, Strom und Nahrungsmittel zu möglichen Überlebenden in mehr als 100 Meter Tiefe bringen. Die russischen Gerätschaften seien im Gegensatz zu den britischen nicht auf dem neuesten Stand, sagte der Ministeriumssprecher. Daher bestehe noch Hoffnung. Die derzeit eingesetzten Tauchkapseln hätten auch am Samstagmorgen nicht an der "Kursk" festmachen können, berichtete ein russischer Militärsprecher. Die Bemühungen würden aber nicht nachlassen.

Auch das norwegische Versorgungsschiff "DSV Seaway Eagle" mit einer Gruppe Spezialtauchern an Bord kommt planmäßig voran. Die zwölfköpfige Tauchergruppe, die normalerweise auf Ölbohrinseln eingesetzt ist, wird am Sonntagmorgen an der Unglücksstelle erwartet. Wie das Transportschiff mit dem Rettungs-U-Boot passierten sie am Samstagmorgen Vardö an der Nordspitze Norwegens. Russische Offiziere sollen am Samstag mit Hubschraubern auf die beiden Schiffe geflogen werden, um Einzelheiten der Rettungsaktion zu besprechen, erklärte Oberst John Espen Lien vom nördlichen Verteidigungskommando Norwegens.

Das Unternehmen, der die "DSV Seaway Eagle" gehört, äußerte sich unterdessen besorgt über die Strömungsverhältnisse an der Unglücksstelle. "Tauchen ist normalerweise in bis zu 1,5 Knoten (2,7 Kilometer pro Stunde) Strömungsgeschwindigkeit möglich", sagte Leif Aspen von der Firma Stolt Offshore. "Wenn es mehr ist, wird das Arbeiten schwierig."

Unterdessen brach der russische Präsident Wladimir Putin vor dem Hintergrund massiver Kritik an seinem Verhalten am Samstag seinen Aufenthalt bei einem Gipfeltreffen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) auf Jalta ab und kehrte nach Moskau zurück. Zuvor hatte Putin am Freitag sein langes Schweigen zu der U-Boot-Krise verteidigt . Er hatte entgegen der Erwartungen vieler Landsleute seinen Urlaub am Schwarzmeerort Sotschi nicht abgebrochen und sich erst am Mittwoch zu der Katastrophe geäußert. Sein erster Impuls sei jedoch gewesen, sofort nach Murmansk zu fliegen, sagte er. "Ich hielt mich aber selbst zurück, und ich denke das war richtig, weil bei einem Unfall ranghohe Beamte und Bürokraten verschiedener Art nicht helfen, Menschen und Material zu retten und in vielen Fällen stören."

US-Verteidigungsminister William Cohen erklärte am Freitag in Washington, die USA hätten Russland technische und medizinische Hilfe angeboten. Ein entsprechendes Team werde zusammengestellt für den Fall, dass Moskau Hilfe anfordere. Cohen betonte noch einmal, dass US-Schiffe nicht in die Havarie der "Kursk" verwickelt gewesen seien.