Labour-Krise Brown zeigt sich amtsmüde
London - "Um ehrlich zu sein, man könnte all das morgen hinter sich lassen", sagte Brown in einem ungewöhnlich persönlichen Interview mit dem "Guardian". "Das, was die Macht begleitet, interessiert mich nicht. Es würde mir nichts ausmachen, wenn ich nie mehr an diese Orte zurückkehre - Downing Street, Chequers", sagte er mit Blick auf die offizielle Residenz und den Landsitz des britischen Premierministers. "Es wäre wahrscheinlich gut für meine Kinder." Nach dem Regierungsamt könnte er sich vorstellen, eine Lehrtätigkeit aufzunehmen.
Premierminister Brown: Hält Wahlsieg von Labour für möglich
Foto: SEBASTIEN PIRLET/ REUTERSGleichzeitig räumte er offen ein, wie sehr in die Kritik "verletzt" habe, die ihm zuletzt entgegenschlug. Die vergangenen Wochen seien mit "die schlimmsten" in seiner politischen Laufbahn gewesen. Auch gestand er Schwächen ein: "Ich bin kein so guter Vermittler von Informationen oder Kommunikator, wie ich es gerne wäre."
Dennoch, betonte er, könne die Labour-Partei unter seiner Führung bei den kommenden Parlamentswahlen gewinnen. Viele Entscheidungen, die seine Regierung getroffen hätte, um der Krise zu begegnen, würden erst in den kommenden Monaten Wirkung zeigen. Er äußerte sich zuversichtlich, dass diese Wirkung noch rechtzeitig vor den Wahlen erkennbar würden.
Brown räumte auch ein, dass er eine strengere Bankenaufsicht für erforderlich gehalten habe. Durchgesetzt habe er sie aber nicht, um Großbritannien nicht ins Abseits geraten zu lassen. Außerdem sei der Druck sehr groß gewesen, die Deregulierung noch weiter voranzutreiben.
Brown hatte vor zwei Wochen nur knapp einen Sturz durch seine eigene Partei verhindert. Zuvor waren - ausgelöst durch den Spesenskandal und interne Machtkämpfen - eine Reihe von Ministern und Staatssekretären zurückgetreten. Bei den Europawahlen fuhr Labour zudem ein historisch schlechtes Ergebnis ein.