Leuna-Affäre Holzer auf Kaution frei
Paris - Über Einzelheiten der Vernehmung durch den zuständigen Untersuchungsrichter Renaud Van Ruymbeke wurde zunächst nichts bekannt. Holzers Straßburger Anwalt Pierre Soler-Couteaux sagte aber gegenüber SPIEGEL ONLINE, das zweistündige Gespräch habe "in entspannter Atmosphäre stattgefunden". Er habe seine Arbeit bei Leuna beschrieben. Holzer sei sehr erfreut gewesen, "erstmals seine Version darstellen zu können". Außerdem habe er durch die Vernehmung Einblick in die Ermittlungsakten nehmen dürfen.
Im Laufe des Januars soll es nach Angaben Soler-Couteaux noch weitere Befragungen geben. Möglich seien auch Gegenüberstellungen mit anderen Beteiligten der Leuna-Affäre. Ruymbeke will bis Ende Januar einen Abschlussbericht zu seinen Ermittlungen vorlegen.
Bis auf Weiteres darf sich Holzer nach Zahlung einer Kaution in der Größenordnung von rund zehn Millionen Francs (1,5 Millionen Euro) frei bewegen. Zunächst wolle er nach Österreich reisen, anschließend nach Deutschland, so Soler-Couteaux. Ursprünglich soll die Kautionssumme bei rund 20 Millionen Euro gelegen haben. Sie sei aber von Holzers Anwälten drastisch herunterverhandelt worden.
Holzer gilt als Schlüsselfigur in der Affäre um den Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie an den französischen Mineralöl-Konzern Elf Aquitaine. Die französischen Justizbehörden hatten ihn mit internationalem Haftbefehl gesucht, weil sie ihn der Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern in Millionenhöhe beschuldigen.
Holzer war Ende August in Österreich festgenommen und dort gegen Kaution wieder freigelassen worden.