Libanon: Armeechef soll Staatspräsident werden - DER SPIEGEL
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Libanon Armeechef soll Staatspräsident werden

Versuch Nummer sechs: Die Wahl eines neuen Staatspräsidenten im Libanon ist erneut verschoben worden. Nun sollen die Parlamentsabgeordneten am 7. Dezember über den Nachfolger Emil Lahouds entscheiden. Als Favorit gilt Armeechef Michel Suleiman.
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Beirut - Eigentlich sollte die Wahl heute stattfinden. Gestern hatten sich Regierung und Opposition nach monatelangem Tauziehen grundsätzlich auf Armeechef Michel Suleiman als Nachfolger von Emil Lahoud verständigt, der aus dem Amt scheidet. Doch die Abgeordneten brauchen mehr Zeit, denn für die Kandidatur Suleimans ist eine Verfassungsänderung nötig, da sich hochrangige Staatsdiener erst zwei Jahre nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt als Präsidentschaftskandidat aufstellen lassen dürfen.

Parlamentspräsident Nabih Berri teilte gestern Abend in Beirut mit, die Abgeordneten des Parlaments sollen nun am 7. Dezember über den Nachfolger Lahouds abstimmen.

Ex-General Michel Aoun, der zunächst von der Opposition als einziger Kandidat vorgeschlagen worden war, sagte vor der Presse in Beirut: "Ich hoffe, dass der Kommandeur der Streitkräfte, General Michel Suleiman, unser gemeinsamer Kandidat sein wird, sobald die rechtlichen Hürden beiseite geräumt sind." Suleiman sei ihm der "liebste Kandidat", sagte Aoun. Die anti-syrische Mehrheitsfraktion unter Ministerpräsident Fuad Siniora hatte schon vorher ihre Unterstützung für Suleiman bekundet.

Suleiman, der sowohl zur Regierungskoalition als auch zu Syrien gute Beziehungen hat, hatte in den vergangenen Monaten dafür gesorgt, dass sich die Armee in dem Konflikt, der das Land seit einem Jahr politisch lähmt, neutral verhält. In der libanesischen Öffentlichkeit konnte der 59-Jährige im vergangenen Sommer durch den Sieg der Armee über die Extremisten der Fatah al-Islam Punkte sammeln, die sich in einem palästinensischen Flüchtlingslager verschanzt hatten.

Der Libanon ist seit dem Ende der Amtszeit von Präsident Lahoud ohne Staatsoberhaupt. Nach dem religiösen Proporzsystem des Landes muss der Staatspräsident ein maronitischer Christ sein, der Parlamentspräsident ein schiitischer und der Ministerpräsident ein sunnitischer Muslim.

asc/dpa