Libanon Comeback des prosyrischen Ex-Regierungschefs
Beirut - Die Abgeordneten kamen heute mit Präsident Lahoud zusammen, um über Vorschläge für den künftigen Ministerpräsidenten zu beraten. Dabei sprach sich die überwältigende Mehrheit für die Wiedereinsetzung Karamis aus, wie Teilnehmer der Gesprächsrunde bestätigten. Die Mehrheit der 128 Parlamentsabgeordneten hat er offenbar hinter sich. Die Opposition stellte vorerst keinen Gegenkandidaten auf. Eine Entscheidung Lahuds wird spätestens für morgen erwartet.
Die Opposition bekräftigte ihre Forderungen an die künftige Regierung. Neben einem völligen Abzug aller syrischen Soldaten und Geheimdienstbeamten aus dem Libanon gehört dazu auch eine völlige Aufklärung des Mordanschlags auf den früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri, an dem Syrien sowie die prosyrische Regierung beteiligt gewesen sein sollen. Zwei Wochen nach dem Attentat hatten 25.000 Demonstranten am 28. Februar erfolgreich den Rücktritt der Regierung Karami gefordert. Sollte dieser die Amtsgeschäft erneut übernehmen, könnte dies neue Massenproteste auslösen.
Am Dienstag hatte die Regierung allerdings starken Rückenwind aus der Bevölkerung erhalten. Mindestens eine halbe Million Menschen folgten in Beirut dem Aufruf der schiitischen Hisbollah und bekundeten ihre Solidarität mit Syrien. Den USA und den Vereinten Nationen, die einen sofortigen Truppenabzug fordern, warfen sie unberechtigte Einmischung vor. An den antisyrischen Kundgebungen der Opposition hatten sich stets deutlich weniger Menschen beteiligt.
In Syrien selbst gingen heute ebenfalls eine halbe Million Menschen auf die Straße und bekundeten ihre Unterstützung für Präsident Baschar al Assad. Auch sie wandten sich gegen Forderungen nach einem Truppenabzug aus dem Libanon. Organisiert wurde die Demonstration von Untergruppen der regierenden Baath Partei.
Unterdessen begannen die im Libanon stationierten syrischen Truppen mit der Räumung ihrer Standorte im Norden und in der Mitte des Landes. Eine große Anzahl Lastwagen mit Soldaten und Ausrüstung ist bereits unterwegs ins ostlibanesische Bekaa-Tal, wo die syrischen Truppen bis zu einem endgültigen Abzug zusammengezogen werden sollen.
Geräumt wurden nach Augenzeugenberichten unter anderem vier syrische Stützpunkte nahe der Ortschaft Batrun, rund 50 Kilometer nördlich von Beirut. Einer davon sei bereits von den libanesischen Streitkräften übernommen worden, hieß es.
Nach Angaben des libanesischen Verteidigungsministers Abdul Rahim Murad soll die Truppenverlegung bis zum 23. März abgeschlossen sein. Auch die wichtigsten Büros des syrischen Geheimdienstes in Beirut sollen aufgelöst und verlegt werden.