Libanon: Israel ist raus - DER SPIEGEL
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Libanon Israel ist raus

Nach 22 Jahren hat sich das israelische Militär jetzt völlig aus dem Libanon zurückgezogen. Zwei Stunden nachdem der letzte Soldat das Land verlassen hatte, rückten die ersten Hisbollah-Kämpfer bis zur Grenze vor.
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Metulla - In etwa 300 Autos fuhren die Milizen jubelnd und hupend an der Grenze entlang. Nach dem hastigen Abzug Israels strömten auch hunderte libanesische Zivilisten in ihre ehemaligen Dörfer in der Sicherheitszone. Libanon erklärte den Donnerstag zum nationalen Feiertag des Widerstands und der Befreiung.

Der schnelle Rückzug kam überraschend, da der israelische Ministerpräsident Ehud Barak am Vortag noch von einem Zeitrahmen von zehn Tagen gesprochen hatte. In der Nacht zum Mittwoch ordnete Barak dann den umgehenden Abzug an. Zu hunderten überquerten die Soldaten die Grenze. Einige fielen sich in die Arme, als sie israelischen Boden erreichten. Um 6:41 Uhr schlossen Soldaten am Grenzübergang Fatima das Tor hinter dem letzten israelischen Panzer. "Wir gehen heim", jubelte der Kommandant.

In der Sicherheitszone, die rund zehn Prozent des libanesischen Staatsgebiets umfasste, hatten die Truppen die meisten der geräumten Stützpunkte zerstört. Ein orangeroter Feuerball stand am Nachthimmel, nachdem die abziehenden Soldaten das Lager Karkum in die Luft gesprengt hatten. Kampfflugzeuge bombardierten auch verlassene Stellungen der verbündeten SLA, damit der Hisbollah-Miliz keine Waffen in die Hände fielen. Am Mittwoch mehrten sich die Berichte von Plünderungen in dem geräumten Gebiet. Nach israelischen Angaben flüchteten bereits 5000 Südlibanesen nach Israel.

Es sei nun Aufgabe der libanesischen Regierung, mit Unterstützung der Uno und internationaler Truppen die Stabilität der Region zu gewährleisten und terroristische Anschläge auf Nordisrael zu verhindern, forderte Barak in einem Schreiben an Uno-Generalsekretär Kofi Annan und den Sicherheitsrat der Vereinten Nation. Er betonte, Israel werde auf jeden Angriff gegen seine Souveränität, die Zivilbevölkerung oder seine Soldaten hart reagieren.

Barak greift Syrien scharf an

In seinem Schreiben griff Barak Syrien scharf an. Damaskus lasse Iran und der Hisbollah freie Hand, eine Infrastruktur aufzubauen, die die Stabilität der Region gefährden könne. Barak forderte Annan auf, Syriens Rolle in dem Konflikt zu beobachten.

Syrische Regierungskreise und Medien priesen am Mittwoch den Rückzug Israels als Erfolg des libanesischen Widerstandskampfes. "Der libanesische Widerstand hat erreicht, was andere nicht schaffen", kommentierte der Generaldirektor der amtlichen Nachrichtenagentur. Vor allem die Palästinenser sollten dies bedenken.

Israelische Truppen waren 1978 in Libanon einmarschiert, um gegen arabische Untergrundkämpfer vorzugehen. 1979 proklamierte die Vorgängerorganisation der SLA einen unabhängigen Staat im Süden des Landes. Nach dem Libanon-Feldzug von 1982 zog sich Israel zwar 1985 aus dem nördlichen Nachbarland zurück, behielt aber einen Streifen als Sicherheitszone vor Milizen-Angriffen besetzt.

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