Libanon Israelis flohen in Bunker
Jerusalem - Ursprünglich sollte der Abzug erst bis zum 7. Juli abgeschlossen sein. Doch Rundfunksender meldeten, die Regierung um Ministerpräsident Ehud Barak habe eine Beschleunigung beschlossen. In der Nacht räumte die israelische Armee ihren zweitgrößten Stützpunkt in Südlibanon. Lastwagenkonvois brachten Waffen, Ausrüstung und Mannschaften über die Grenze. Die Soldaten jubelten beim Überschreiten der Grenze; einige küssten den Boden.
Die mit Israel verbündete Miliztruppe Südlibanesische Armee (SLA) löst sich offenbar weitgehend auf. Über 100 Milizionäre liefen am Montag auf die libanesische Seite über, andere ersuchten in Israel um Asyl. Israel will für sie in der Nähe des Sees Genezareth ein Auffanglager errichten. Noch intakte SLA-Truppenteile zogen sich nach Süden zurück, um nahe der israelischen Grenze eine neue Verteidigungslinie zu errichten. Timur Göksel, der Sprecher der UN-Truppe in Südlibanon (UNIFIL), sagte, die SLA habe als einheitliche Truppe praktisch aufgehört zu existieren. Bei Unruhen in Südlibanon sollen sechs Zivilisten getötet worden sein. Ihr Tod geht nach israelischen Angaben auf das Konto der SLA.
Hisbollah-Kämpfer rückten am Montag rasch in die von den Israelis geräumten südlibanesischen Dörfer ein und befanden sich damit nur wenige Kilometer von israelischen Ortschaften entfernt. Aus Angst vor Raketenangriffen der Hisbollah verbrachten Zehntausende Israelis im Norden des Landes die Nacht in unterirdischen Bunkern.
In ganz Israel wuchs die Kritik an dem Abzug. "Wir warten auf die Katjuschas", erklärte eine Israelin in der nordisraelischen Ortschaft Kirjat Schemona unter Anspielung auf die von der Hisbollah benutzten Raketen. "Wir haben die stärkste Armee der Welt und müssen in Angst leben. Die Regierung hat der Armee Arme und Beine gefesselt."
UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte, das Chaos in Südlibanon gefährde seinen Plan, die dortige Blauhelmtruppe auf 8.000 Soldaten aufzustocken. Der Weltsicherheitsrat kam wegen der Krise zu einer außerplanmäßigen Sitzung zusammen.