Libanon: Israelis starten neue Offensive - DER SPIEGEL
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Libanon Israelis starten neue Offensive

Die israelische Armee ist in der Nacht weit in den Nordosten des Libanon vorgedrungen: Nahe der Hisbollah-Hochburg Baalbek liefern sich israelische Luftlandetruppen Gefechte mit der radikal-islamistische Schiiten-Miliz, heißt es aus libanesischen Sicherheitskreisen.
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Beirut – Drei Stunden vor Ablauf der zweitägigen Feuerpause hat die israelische Armee am späten Abend schwere Luftangriffe auf mutmaßliche Stellungen der radikalislamischen Hisbollah geflogen. Innerhalb einer Stunde wurden in der Umgebung des ostlibanesischen Baalbek 24 Raketen abgeschossen, meldete die libanesische Polizei. Die Kampfflugzeuge hätten fünf mutmaßliche Stellungen der Hisbollah bombardiert, erklärten Augenzeugen.

Israelische Luftlandetruppen seien von Hubschraubern im Nordosten des Libanon abgesetzt worden, melden mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf libanesische Sicherheitskreise. Die Einheit sei nahe der Hisbollah-Hochburg Baalbek gelandet. Die israelischen Soldaten seien unter schweres Maschinengewehrfeuer der Hisbollah-Miliz geraten, meldete der TV-Sender der radikal-islamistischen Hisbollah al-Manar.

Die immense Anzahl an Flugzeugen deute daraufhin, dass die Israelis viele Soldaten in das Gebiet verlegen wollen, wird ein libanesischer Militärangehöriger von der Nachrichtenagentur AP zitiert. Das könne aber nicht bestätigt werden. Der Himmel sei taghell erleuchtet durch Leuchtkugeln.

Hubschrauber flogen in geringer Höhe über den Hügeln von Ain al-Dschauseh. Dort verläuft auch die Straßenverbindung von Baalbek nach Syrien. Eine Sprecherin des israelischen Militärs lehnte eine Stellungnahme ab. Über mögliche Opfer gab es zunächst keine Angaben.

Baalbek ist eine Provinzhauptstadt mit rund 80.000 Einwohnern. Die Stadt geht auf die römische Siedlung Heliopolis zurück, die 15 vor Christus gegründet wurde. Sie ist berühmt für die großen Tempelanlagen, zu denen der größte Einzeltempel des Römischen Reichs gehörte.

Israels Justizminister Chaim Ramon hatte am Abend angekündigt, nach der 48-stündigen Pause seine Luftangriffe im Libanon im "vollen Umfang" wieder aufzunehmen. Die Luftwaffe werde von der Nacht zum Mittwoch an wieder uneingeschränkt Ziele der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz bombardieren.

Ein rasches Ende der Kampfhandlungen forderten heute die Außenminister der Europäischen Union beim Krisentreffen zum Nahost-Konflikt in Brüssel. Doch die Gespräche verliefen alles andere als reibungslos. Am Ende waren die Teilnehmer froh, sich überhaupt geeinigt zu haben. Auf Drängen Deutschlands und Großbritanniens rückte die EU von der Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand im Nahost-Krieg ab. Nach stundenlangen Diskussionen einigten sich die 25 Mitgliedstaaten darauf, in einer gemeinsamen Erklärung die "sofortige Einstellung der Feindseligkeiten" zwischen Israel und der radikal-islamischen Hisbollah anzumahnen.

Die EU-Forderung verhallte in Israels Regierungsspitze jedoch ungehört. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert lehnte heute eine sofortige Waffenruhe erneut ab. Jeder Tag der Gefechte schwäche die Hisbollah mehr, ein baldiger Waffenstillstand sei nicht im Interesse des Landes, sagte der Regierungschef. Allerdings befand er auch: Niemand hat versprochen, dass es am Ende dieses Krieges keine Raketen mehr geben werde, die uns erreichen können." Zuvor hatte bereits Israels Wohnungsbauminister Meir Schitrit Erwartungen der Öffentlichkeit an die Offensive der israelischen Armee gedämpft. "Es gibt keinen Weg, auch die letzten Hisbollah-Raketen zu zerstören", sagte Schitrit dem israelischen Rundfunk. Diese Möglichkeit hätten weder die Landstreitkräfte noch die Luftwaffe Israels.

jul/AFP/AP/Reuters/dpa

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