Libanon Kämpfen bis zum Schluss
Jerusalem Die Uno erwarte eine sofortige Waffenruhe, sobald die Regierungen in Israel und Libanon die Resolution gebilligt haben, sagte heute Geir Pedersen, der Uno-Vertreter im Libanon. Doch halten sich Israel und die Hisbollah an die Forderungen und beenden rasch ihre Kampfhandlungen oder wird die Gewalt noch einige Tage fortgesetzt?
Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief die Konfliktparteien auf, der Uno-Resolution "ohne Zeitverzug zuzustimmen". Es komme nun darauf an, "dass alle Parteien die Forderungen des Sicherheitsrates zügig umsetzen", sagte der SPD-Politiker.
Die Bericht aus Israel über die Dauer der verschärften Bodenoffensive sind allerdings widersprüchlich: Die israelische Nachrichtenwebsite "Ynet" berichtete unter Berufung auf das Büro von Ministerpräsident Ehud Olmert, Israel rechne damit, dass der in der Uno-Resolution geforderte Waffenstillstand mit der Hisbollah-Miliz bereits am Montag in Kraft tritt. Sobald der Waffenstillstand umgesetzt sei, werde Israel seine Offensive im Südlibanon stoppen, hieß es. Dagegen hatte zuvor ein israelischer Regierungssprecher erklärt, es gebe "kein Zeitlimit" für die Militäroperation. Ziel der Angriffe sei es, weitere Raketenattacken der Hisbollah auf den Norden Israels zu verhindern.
Auch Äußerungen von Heereschef Dan Halutz deuten nicht auf einen raschen Beginn des Waffenstillstands hin. Die heute ausgedehnte israelische Bodenoffensive im Libanon könne noch eine Woche andauern. "Wir werden unsere Militäroperation so lange fortsetzen, bis wir unsere Ziele erreicht haben", sagte Halutz. Zuvor hatte ein ranghoher Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums, Gideon Meir, erklärt, die Offensive solle mindestens bis zu der Kabinettsabstimmung über die Uno-Resolution am Sonntag fortgesetzt werden. Das libanesische Kabinett will heute ab 16 Uhr zusammentreten. Laut Kommunikationsminister Marwan Hamadé tendiert es zur Annahme der Uno-Resolution 1701.
Israels Armee marschiert unterdessen nach eigenen Angaben weiter in Richtung des Flusses Litani, der rund 20 Kilometer hinter der Grenze liegt. Es gebe vereinzelte Gefechte mit Kämpfern der Hisbollah, von denen zehn "getroffen" worden seien. Die Soldaten hätten bei ihrem Vormarsch mehrere Raketenstellungen der Hisbollah zerstört.
Libanesische Sicherheitskräfte teilten mit, bei einem israelischen Luftangriff auf ein Dorf im Südlibanon seien heute mindestens 15 Zivilpersonen getötet worden. Mehrere Häuser in der Ortschaft Ratschaf, rund 14 Kilometer von der libanesisch-israelischen Grenze entfernt, seien am Morgen von Raketen getroffen worden.
Einem israelischen Bericht zufolge waren am frühen Morgen zusätzliche Panzer und Soldaten aus Israel auf dem Weg in den Libanon, um die Kräfte dort zu verstärken. Aus Sicherheitskreisen verlautete zudem, die Luftwaffe habe zwei Transformatoren im Libanon bombardiert. Der Hafen der Stadt Tyrus sei daraufhin in Dunkelheit versunken.
Uno-Generalsekretär Kofi Annan kündigte an, so bald wie möglich mit israelischen und libanesischen Regierungsvertretern zusammenzutreffen, um das Datum für eine Waffenruhe festzulegen. Zuvor hatte er den Sicherheitsrat für sein langsames Handeln gerügt und auf die hohen Opferzahlen in dem seit einem Monat andauernden Krieg verwiesen.
US-Außenministerin Condoleezza Rice dagegen gab sich zuversichtlich. Sie sagte, mit dieser Resolution und mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft könne ein neuer starker Libanon entstehen. Nun beginne die schwere und dringende Arbeit der Umsetzung der Resolution. Rice sagte aber auch, es sei unrealistisch, ein sofortiges Ende der Gewalt zu erwarten.
hen/dpa/AP/Reuters