Libanon-Krieg: Israels Generalstabschef gibt Fehler zu - DER SPIEGEL
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Libanon-Krieg Israels Generalstabschef gibt Fehler zu

Der israelische Generalstabschef hat erstmals Fehler bei der Libanon-Offensive eingestanden. Dan Haluz kündigte eine umfassende Untersuchung an. Der Libanon rief Frankreich unterdessen auf, weitere Truppen für die Uno-Mission zu schicken.
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Jerusalem/Beirut - "Parallel zu unseren Erfolgen gab es in bestimmten Bereichen Fehler, vor allem auf logistischem und operationellem Niveau sowie auf der Kommandoebene", gab Haluz in einem Schreiben an die Armee zu. Erfolge und Fehler müssten nun untersucht werden. Die Armee müsse Lehren daraus ziehen, da sie vor weiteren Herausforderungen stehe.

"Diese Untersuchung betrifft uns alle, von mir bis zum letzten Soldaten", heißt es in dem Schreiben. Haluz war wegen der israelischen Offensive im Libanon in die Kritik geraten. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, die Kapazitäten der israelischen Luftwaffe überschätzt zu haben.

Libanons Regierungschef Fuad Siniora drängte unterdessen Frankreich, weitere Truppen für die Uno-Mission in seinem Land zu schicken. "Ich hoffe, dass Frankreich seine bisherigen Anstrengungen fortsetzt und weitere Soldaten schickt", sagte Siniora dem monegassischen Radiosender RMC. "Ich will nicht verhehlen, dass die Menschen hier deutlich mehr als 400 französische Soldaten erwartet haben."

Frankreich ist an der bisherigen Libanon-Truppe der Uno mit 200 Mann beteiligt. Paris entsandte nach dem Beschluss der Vereinten Nationen zur Verstärkung bisher weitere 200 Soldaten. Vor weiteren Zusagen will die ehemalige Mandatsmacht des Libanon eine Klarstellung zu Mandat und Einsatzzielen der Truppe abwarten.

Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin hatte gestern nach einem Treffen mit Israels Außenministerin Zipi Livni versichert, Frankreich werde "weitergehen, sobald die Voraussetzungen dafür erfüllt sind". Präsident Jacques Chirac berief für den Nachmittag ein Treffen mit de Villepin und weiteren zuständigen Ministern zur Lage im Libanon ein, wie ein Regierungssprecher sagte. Am Abend will Chirac in einer Fernseh-Ansprache verkünden, ob Frankreich doch mehr Soldaten in den Nahen Osten schickt. Dabei sei eine Zahl von Soldaten wahrscheinlich, die zwischen den 400 bereits stationierten und den erwarteten 2000 bis 4000 liege, hieß es aus Regierungskreisen in Paris.

Morgen wollen die EU-Außenminister über den Beitrag europäischer Staaten zu der Libanon-Truppe in Brüssel beraten. Sie soll von bisher rund 2000 auf 15.000 Mann verstärkt werden.

Eine erste Vorhut der europäischen Soldaten soll nach dem Willen Finnlands, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat, bereits binnen einer Woche in die Krisenregion entsendet werden. Von der Sondersitzung der EU-Außenminister erhoffe er sich konkrete Zusagen der Mitgliedstaaten für ihre Beteiligung an dem Einsatz, sagte der finnische Außenminister Erkki Tuomioja am Donnerstag nach einem Gespräch mit seinem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier in Berlin.

Indien will indes seine Soldaten möglicherweise aus der Uno-Truppe abziehen. "Wir erwägen, unsere Truppen aus dem Libanon zurückzuholen", sagte Verteidigungsminister Pranab Mukherjee gestern Abend in Neu-Delhi. Ein Abzug der Blauhelmsoldaten komme aber erst dann in Frage, wenn die geplante Verstärkung für die Uno-Mission eingetroffen sei.

Der Truppe im Libanon gehören 673 indische Soldaten an. Weitere 103 Soldaten sind auf den Golan-Höhen stationiert, die Israel von Syrien erobert hat. Grund der überraschenden Überlegungen ist offenbar die Veränderung des Unifil-Mandats, die den Blauhelm-Soldaten größere Befugnisse für den Einsatz von Gewalt gibt, wie die indische Nachrichtenagentur PTI unter Berufung auf diplomatische Kreise meldete.

als/phw/agö/AFP/dpa/AP