Libanon: Olmert feiert Offensive als Erfolg - DER SPIEGEL
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Libanon Olmert feiert Offensive als Erfolg

Israels Regierungschef Olmert gibt sich optimistisch: Die Militäroffensive seines Landes im Südlibanon habe die Hisbollah bereits jetzt stark geschwächt, ihre Infrastruktur sei "vollständig zerstört". Dennoch feuerte die Hisbollah heute 190 Raketen nach Israel - so viele wie noch nie an einem Tag.
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Jerusalem - Ehud Olmert lässt keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit, die Offensive der israelischen Armee fortzusetzen. Seine Antwort auf die Frage der Nachrichtenagentur Reuters, ob Israel solange kämpfen werde, bis eine funktionstüchtige internationale Streitmacht im südlichen Libanon stationiert sei, ist ein einziges, dürres Wort: "Yes". Vorher kommt für den israelischen Regierungschef eine Waffenruhe nicht in Frage.

Der Beauftragte der Uno für Friedensmissionen, Jean-Marie Guehenno, plädierte dagegen für eine Waffenruhe vor dem Einsatz einer internationalen Friedenstruppe. Es sei schwierig, Nationen für eine Teilnahme an einer Schutztruppe zu gewinnen, solange es keine Feuerpause gebe, sagte Guehenno der französischen Zeitung "Le Monde". Ohnehin sei ein solcher Einsatz noch Monate entfernt.

Bereits jetzt sieht Olmert große Fortschritte im Kampf gegen die radikal-islamische Hamas. Durch die israelische Militäroffensive sei die Organisation weitgehend entwaffnet und ihre Infrastruktur "vollständig zerstört". Zudem schwinde der Rückhalt für die Miliz. Die Hisbollah "ist jetzt im ganzen Libanon und der arabischen Welt mit Ausnahme Irans und Syriens isoliert", behauptete Olmert.

Dennoch reagierte die Hisbollah heute mit heftigem Beschuss Israels. Israelischen Polizeinangaben zufolge feuerte die Miliz 190 Raketen nach Israel - so viele wie nie zuvor an einem einzigen Tag. 36 seien in israelischen Städten und Siedlungen eingeschlagen, hieß es. Dabei sei ein 60-jähriger Mann ums Leben gekommen, weitere 19 Menschen wurden verletzt. Zwei Geschosse seien erstmals mehr als sechzig Kilometer hinter der Grenze eingeschlagen: eins in der Nähe der israelischen Ortschaft Beit Schean. Ein anderes traf palästinesisches Gebiet im Westjordanland nahe Dschenin.

Auch das israelische Militär verstärkte heute seine Angriffe. Die Armee fiel in die Hisbollah-Hochburg Baalbek ein, die gut hundert Kilometer nördlich der Grenze liegt. Spezialeinheiten hätten dort in der Nacht fünf Mitglieder der schiitischen Miliz gefangengenommen, teilte Generalstabschef Dan Halutz mit.

Nach Angaben der israelischen Armee setzten Hubschrauber eine Kommandoeinheit mit rund 200 Mann in Baalbek ab. Die Soldaten hätten mindestens elf Hisbollah-Kämpfer getötet. Einwohner berichteten, die israelischen Soldaten hätten den Hubschrauber verlassen und sofort geschossen, es seien zahlreiche Zivilisten getötet oder verletzt worden.

Im Südlibanon waren bis zu 10.000 Soldaten im Einsatz gegen die Hisbollah. Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge beschoss israelische Artillerie mehrere Grenzdörfer. Zeitgleich seien von Panzern geführte Verbände auf Hisbollah-Stellungen vorgerückt. Deren Kämpfer hätten das Feuer mit Granatwerfern, Panzerabwehrwaffen und Maschinengewehren erwidert.

Im Norden des Libanon zerstörte die israelische Luftwaffe zwei Brücken. Wie die libanesische Polizei mitteilte, befanden sich die Ziele nur fünf Kilometer von Syrien entfernt. Bei einem Luftangriff auf eine Armeestellung bei Sarba oberhalb des Hafens von Sidon wurden drei libanesische Soldaten getötet. Weitere Angriffe konzentrierten sich auf Ziele südlich der Hafenstadt Tyrus. Bei den Luftangriffen wurden libanesischen Behördenangaben zufolge insgesamt 19 Zivilisten getötet, darunter vier Kinder.

Am Abend flogen israelische Kampfflugzeuge weitere Angriffe. Augenzeugen berichteten von Attacken auf die Umgebung der Bergdörfer Lweiseh, Dschbaa, Sarba und Ein Busuar, rund 20 Kilometer von der Nordspitze Israels entfernt. Bei den Angriffen wurden sieben Menschen getötet, darunter ein 80 Jahre altes Ehepaar.

Israel hatte vor drei Wochen seine Militäraktion unter anderem mit dem Ziel gestartet, die Raketenstellungen der Hisbollah auszuschalten. Die Miliz verfügt über schätzungsweise 12.000 Raketen. Insgesamt hat sie mehr als 1700 Geschosse auf Israel abgefeuert. Dabei wurden 19 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Bei den israelischen Angriffen im Libanon starben mindestens 643 Menschen, das libanesische Gesundheitsministerium spricht inklusive noch nicht geborgener Leichen von 762 Toten. 55 Israelis starben insgesamt.

Libanon beziffert Schäden auf 2,5 Milliarden Dollar

Nach Schätzungen des Libanon hat die israelische Armee seit Beginn ihrer Offensive vor drei Wochen Zerstörungen in Höhe von fast 2,5 Milliarden Dollar (zwei Milliarden Euro) verursacht. Die Schäden seien an Infrastruktur, Häusern, Industrieanlagen, Einrichtungen zur Energieversorgung und an Militäranlagen entstanden, bilanzierte der libanesische Rat für Entwicklung und Wiederaufbau heute in Beirut. Schäden in Höhe einer halben Milliarde Dollar seien allein in der dritten Woche der Kämpfe entstanden. Die Summe werde noch steigen, weil es sich um die "gewalttätigste israelische Offensive gegen Libanon in den vergangenen 30 Jahren handelt", sagte der Präsident des Rates, Fadl el Schalak.

Die Vereinten Nationen wollen angesichts einer wachsenden Treibstoffknappheit im Libanon zwei Tanker mit Öllieferung in das Land bringen. Israel habe zugesichert, für die Hilfstransporte sichere Korridore zu öffnen, erklärte das Uno-Welternährungsprogramm heute in Genf. Insgesamt sollten innerhalb von 24 Stunden 87.000 Tonnen Öl und Diesel in die Häfen von Beirut und Tripolis gebracht werden.

Uno-Beratungen über Schutztruppe verschoben

Dagegen wurden die Uno-Beratungen über die Entsendung einer internationalen Truppe in den Süden Libanons erneut verschoben. Das Treffen könne nicht wie geplant am Donnerstag stattfinden, weil sich die Diplomaten der möglichen Truppensteller noch nicht auf die politischen Rahmenbedingungen einer solchen Mission einigen konnten, sagte Uno-Sprecher Ahmad Fawzi heute in New York. Die Beratungen würden erst dann stattfinden, wenn es in den Streitfragen "mehr Fortschritt" gebe. Zuvor hatte die Veto-Macht Frankreich ihre Teilnahme an dem Treffen abgesagt. Der Zeitpunkt sei "zu früh", weil die Bedingungen einer Truppenstationierung noch nicht geklärt seien, sagte ein Sprecher. Ursprünglich hätten die Beratungen bereits am Montag stattfinden sollen.

hen/dpa/AP/Reuters/AFP

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