Libanon Parlamentspräsident versetzt Blair
Beirut - "Danke für die Lieferung der intelligenten Bomben, Blair", hieß es auf Transparenten auf der Demonstration in Beirut, die die Hisbollah und ihre pro-syrischen Verbündeten organisierten. Während des 34-tägigen Krieges hatten US-Flugzeuge mit Bomben für Israel in Schottland getankt.
Rund 5000 Menschen demonstrierten in der libanesischen Hauptstadt Beirut gegen die Nahost-Politik von Tony Blair, der im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah nach Meinung vieler zu lange an der Seite von US-Präsident George W. Bush die Forderung nach einem Waffenstillstand blockiert hat. Blair verteidigte sich mit den Worten, ein sorgfältiger und dauerhafter Waffenstillstand sei wichtiger gewesen als eine schnelle Waffenruhe, die nicht eingehalten wird.
Soldaten, Bereitschaftspolizisten und Stacheldraht-Sperren hielten die Demonstranten auf Distanz zu dem Regierungsgebäude im Stadtzentrum, in dem Blair Ministerpräsident Fuad Siniora traf. Dabei erörterten sie die Lage seit Beginn des Waffenstillstands zwischen Israel und der Hisbollah am 14. August sowie den britischen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes.
Parlamentspräsident Nabih Berri, der der Hisbollah nahe steht, ließ einen Termin mit dem britischen Regierungschef platzen. Der schiitische Politiker war trotz des vereinbarten Termins nicht in der Hauptstadt. Auch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Siniora kam es zu einem Zwischenfall. "Dieser Besuch ist eine Beleidigung", rief eine Frau vor laufenden Kameras: "Schäm' Dich, Tony Blair." Sie wurde von Sicherheitskräften aus dem Raum getragen. Siniora sagte: "Wir sind in einer Demokratie, wir respektieren jede Art von Meinung."
Blair äußerte Verständnis über die emotionalen Reaktionen. Unschuldige Menschen hätten ihr Leben verloren und das Land sei um Jahre zurückgeworfen worden, sagte er beim ersten Besuch eines britischen Regierungschefs im Libanon. Er sagte die Hilfe Großbritanniens beim Wiederaufbau des Landes zu.
Blair kam von Nahost-Gesprächen in Jerusalem und Ramallah und hielt sich nur wenige Stunden in der libanesischen Hauptstadt auf. Er war der zweite westliche Regierungschef in Beirut seit der israelischen Militäroffensive, die der schiitischen Hisbollah-Miliz galt, aber viele Opfer in der Zivilbevölkerung forderte.
hen/AP/Reuters