Libanon Prosyrische Kräfte machen mobil
Beirut - Im Zentrum von Beirut laufen die Vorbereitungen für die prosyrische Kundgebung. Demonstranten strömen in Scharen in die libanesische Hauptstadt. Sie wollen ihre Solidarität mit der unter Druck geratenen syrischen Regierung bekunden. Bis zum Nachmittag waren bereits Tausende mit Bussen und Lastwagen in die Hauptstadt gekommen. Auf dem Platz hängen zwei große libanesische Fahnen mit den Aufschriften "Danke Syrien" und "Nein zu ausländischer Einmischung".
Der Protest richtet sich gegen die Forderungen nach einem Abzug der syrischen Truppen und die entsprechende Uno-Resolution, die auch eine Auflösung der Milizen verlangt. Die Veranstalter erwarteten 500.000 Teilnehmer.
Seit der Ermordung des ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri vor gut drei Wochen wächst der Protest gegen die syrische Militärpräsenz im Libanon. Am Montag verlangten mindestens 70.000 Demonstranten in Beirut einen Abzug der Soldaten.
Derweil blieben größere Truppenbewegungen der Syrer weiter aus. Die rund 15.000 Soldaten sollen bis Ende des Monats in die östlich gelegene Bekaa-Ebene verlegt werden.
Israel, die USA und Frankreich bekräftigten noch einmal ihre Forderungen. Nur der Abzug aller syrischen Truppen und Sicherheitskräfte spätestens bis zur Parlamentswahl im Mai ermögliche eine freie Abstimmung, sagte der israelische Außenminister Silvan Schalom am Montag nach einem Gespräch mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan in New York. Mit Blick auf die geplante prosyrische Demonstration sagte Schalom, die Hisbollah habe im Südlibanon eine sehr lange Zeit wie im Himmel gelebt und verwies auf iranische Waffenlieferungen via Damaskus.
US-Präsident George W. Bush telefonierte mit seinem französischen Kollegen Jacques Chirac. Beide verlangen die Umsetzung der Uno-Resolution. Die Präsidenten Syriens und des Libanons hatten gestern keinen Termin für einen vollständigen Rückzug vereinbart und zunächst eine Verlegung der Truppen in die Bekaa-Ebene nahe der syrischen Grenze bis Ende des Monats angekündigt.
Heute waren leere Busse und Lastwagen auf dem Weg nach Westen, um Soldaten und Gerät aufzunehmen. Ein Lastwagen mit elf Soldaten fuhr in die Gegenrichtung. Bei den im Norden des Libanons stationierten Truppen tat sich zunächst weiter nichts. Am Vortag waren erste Vorbereitungen für die Verlegung der Soldaten in den libanesischen Bergen angelaufen.
Der Truppenrückzug schließt nach Angaben der Regierung in Damaskus die Mitarbeiter der syrischen Geheimdienste ein. Dies sei nicht in der Erklärung zur Abzugsvereinbarung enthalten gewesen, da beide Seiten dies für selbstverständlich gehalten hätten, verlautete offiziell aus der Regierung in Damaskus.