Libanon Uno ermittelt im Mordfall Gemayel
Beirut/New York - Zur Beerdigung des christlichen Politikers werden am Mittag Tausende Anhänger der anti-syrischen Bewegung erwartet. Sie machen die Führung in Damaskus für die Bluttat an Pierre Gemayel verantwortlich.
Gemayel soll in seinem Heimatdorf Bikfaya in der Nähe von Beirut beigesetzt werden. Zunächst ist für mittags eine Trauerfeier in der maronitischen Saint-Georges-Kirche geplant. Danach ist die Beisetzung in der Bergregion von Bikfaya vorgesehen. Schon am Mittwoch versammelten sich mehrere Tausend Libanesen zu den Vorbereitungen für die Trauerfeier. Sie trugen Porträt-Fotos des am Dienstag bei einem Anschlag getöteten Gemayel, des 2005 ermordeten Rafik al-Hariri und des 1982 ermordeten Präsidenten Beschir Gemayel, eines Onkels von Pierre Gemayel.
Neben den Trauerfeiern in Bikfaya ist eine Großkundgebung in Beirut geplant. Das Innenministerium erwartet rund eine halbe Million Demonstranten. Schon am Morgen versammelten sich Zehntausende auf dem Märtyrerplatz in der libanesischen Hauptstadt. Zahlreiche Polizisten und Soldaten mischten sich unter die Menschen. Bisher ist die Lage dort ruhig.
Der Sicherheitsrat billigte in der Nacht die Hilfe auf Ersuchen der Regierung in Beirut. Demnach soll die internationale Ermittlungskommission, die bereits den Anschlag auf den libanesischen Ex-Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri untersucht, dem Libanon auch bei den Ermittlungen im Fall Pierre Gemayel helfen. Dem Sicherheitsrat lag ein von Uno-Generalsekretär Kofi Annan übermitteltes Schreiben des libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora vor, in dem dieser um "technische Hilfe zur Untersuchung des Mordes an Gemayel" bat.
Uno-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich bei einem Treffen mit dem libanesischen Kultusminister Tarek Mitri in New York "extrem besorgt". Die Lage im Libanon sei "äußerst heikel und sehr zerbrechlich", sagte der Uno-Chef.
Gemayel gehörte der anti-syrischen Mehrheit im Regierungskabinett von Ministerpräsident Fuad Siniora an. Er war am Dienstag bei einem Attentat in einem Beiruter Vorort tödlich verletzt worden. Die Tat hat die explosive Lage im Libanon weiter angeheizt. Die radikal-islamische Hisbollah und ihre Verbündeten ringen derzeit mit der anti-syrischen Bewegung um mehr Einfluss.
In einer am Mittwoch in Beirut veröffentlichten Erklärung des anti-syrischen Parteienbündnisses hieß es, das "syrisch-libanesische Geheimdienstregime" müsse gestürzt werden. Drusenführer Walid Dschumblat, der wie Gemayel zur anti-syrischen Regierungsmehrheit gehört, warnte vor neuen Attentaten. "Vielleicht töten sie noch einen Minister", sagte Dschumblat. Ziel des syrischen Regimes sei es, zu verhindern, dass Präsident Baschar al-Assad von dem internationalen Tribunal für die Aufklärung des Mordes an dem libanesischen Ex-Regierungschef Rafik al-Hariri angeklagt werde.
Die libanesische Regierung hatte am Montag dem Uno-Entwurf zugestimmt, der die Rahmenbedingungen für das Hariri-Tribunal festlegt. Annan äußerte am Mittwoch die Hoffnung, dass die Regierung von Ministerpräsident Siniora in Kürze die nächste Stufe zur Einrichtung des Tribunals nehmen könne.
Hariri und 22 weitere Menschen waren im Februar 2005 bei einem Anschlag getötet worden. An der Planung des Attentates sollen syrische Geheimdienstoffiziere und Sicherheitsleute des syrientreuen libanesischen Staatspräsidenten Emile Lahoud beteiligt gewesen sein.
ler/dpa/AFP