Libanon Uno warnt vor Notlage der Flüchtlinge
Jerusalem/Beirut - Die israelische Regierung hat sich zur Einrichtung eines Luftkorridors für Hilfstransporte an die libanesische Bevölkerung bereit erklärt. Wenn internationale Hilfsorganisationen einen entsprechenden Antrag stellten, würde dies genehmigt, verlautete aus Regierungskreisen in Jerusalem. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hat laut einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der nicht offiziell bestätigt wurde, auch einem Flüchtlingskorridor vom Libanon nach Zypern zugestimmt. Durch diesen Korridor solle jeder den Libanon verlassen können, der dies wünsche. Ein solcher Flüchtlingskorridor war unter anderem von der Uno gefordert worden.
Im Süden Libanons war die israelische Armee auch mit Bodentruppen gegen die Stellungen der Hisbollah vorgegangen, die Gegend ist verstärkt bombardiert worden. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind rund 15.000 Menschen in zwei Ortschaften von jeglicher Versorgung abgeschnitten. Wegen zerstörter Brücken und Straßen könne kein Lebensmittel- oder Hilfstransport zu ihnen durchdringen.
Die Europäische Union (EU) erwartet, dass die Zahl der Vertriebenen bald auf eine Million steigen wird und stellte zehn Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung. Das Welternährungsprogramm (WFP) der Uno erklärte, dass insbesondere im Süden des Landes Hunderttausende Libanesen zunehmend schwierigeren Zugang zu lebensnotwendigen Dingen hätten. Die Schäden in der Infrastruktur hätten die Lebensmittelversorgung mittlerweile fast vollständig unterbrochen.
"Sollte sich die Sicherheitslage weiter verschlechtern, werden noch viel mehr Menschen ihre Häuser verlassen müssen und damit humanitäre Unterstützung brauchen", warnte Naila Sabra, Regionaldirektor des WFP für den Nahen Osten und Zentralasien. Nach Angaben der libanesischen Regierung sind mittlerweile mehr als eine halbe Million Menschen wegen der anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz auf der Flucht. Viele der Menschen haben Zuflucht in Schulen oder Gemeindeeinrichtungen gefunden. Das Welternährungsprogramm arbeitet noch an einem Nothilfeplan, mit dem vor allem Frauen und Kindern geholfen werden soll.
Die US-Regierung gibt der Schiiten-Miliz Hisbollah Schuld an der prekären humanitäre Lage. "Wenn es eine humanitäre Krise gibt, ist dies die Verantwortung von Hisbollah", sagte Regierungssprecher Tony Snow. Die Kämpfer versteckten sich inmitten der Zivilbevölkerung, wodurch Angriffe auf Zivilisten schwerer zu vermeiden seien.
Die katholische Hilfsorganisation Caritas veranschlagt für einen Hilfseinsatz im Libanon mindestens 1,3 Millionen Euro. Benötigt werde das Geld für Notunterkünfte für mehrere zehntausend Menschen, Medikamente, Wasser und Nahrungsmittel.
3500 Deutsche bislang evakuiert
Die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus dem Libanon läuft weiter auf Hochtouren. Allerdings sind in der Feriensaison Flugzeuge knapp. "Wir haben keine Maschinen, die irgendwo herumstehen, alle sind im Einsatz", heißt es etwa bei Air Berlin. Deswegen müssen oft Maschinen der Bundeswehr eingesetzt werden.
Flugzeuge der Luftwaffe brachten rund 430 Deutsche aus der syrischen Hauptstadt Damaskus und aus dem türkischen Adana nach Köln-Wahn. In Düsseldorf landete eine LTU-Maschine aus Damaskus mit 361 Libanon-Flüchtlingen, darunter 171 Kinder. Insgesamt wurden seit Freitag 3500 Deutsche aus dem Libanon evakuiert.
kp/AFP/AP/dpa/ddp/Reuters