Liberia Der Schlächter verlässt Monrovia
Monrovia - Charles Taylor reichte am Montagnachmittag seinem Nachfolger und derzeitigen Stellvertreter Moses Blah die Hand, um die Amtsübergabe zu besiegeln. Mit der Abdankung und dem Weggang verbindet sich für viele Liberianer die Hoffnung auf ein Ende des seit Jahren andauernden Bürgerkriegs.
Eigentlich hätte die Zeremonie bereits um eine Minute vor zwölf beginnen sollen. Rund um den von Friedenstruppen bewachten Präsidentenpalast hatten zahlreiche Liberianer stundenlang auf den Beginn gewartet.
In seiner Abdankungsrede bezeichnete sich Taylor als Opferlamm. Aber er werde diese Rolle akzeptieren. Die Geschichte werde zeigen, welche Rolle er für Liberia gespielt habe. Nun müsse man sich auf die Zukunft des Landes konzentrieren. Wie die seiner Meinung nach aussehen sollte, machte er unmissverständlich klar: "Wenn Gott es will, dann werde ich zurückkehren."
An der Zeremonie der Amtsübergabe an Blah nahmen die Staatschefs aus Südafrika, Mosambik und Ghana als Vertreter der Afrikanischen Union und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) teil.
Aus diplomatischen Kreisen verlautete, Taylor werde wohl mit dem südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki nach Nigeria, das ihm Asyl angeboten hat, ausreisen. Aus Sicherheitskreisen verlautete, Taylor habe bereits am Sonntag vier Fahrzeuge nach Nigeria ausfliegen lassen.
Taylor hatte sich widerstrebend und unter massivem amerikanischen Druck zum Amtsverzicht bereit erklärt. Er hatte jedoch erklärt, er werde das Land erst dann verlassen, wenn die westafrikanischen Truppen in Liberia angekommen seien. Inzwischen sind rund 800 Soldaten aus Nigeria in Liberia stationiert. Die Friedenstruppe der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft soll die verfeindeten Regierungssoldaten und Rebellen auseinander halten und den Einsatz internationaler Hilfsorganisationen sichern.
Taylor wird für den seit 14 Jahren wütenden Bürgerkrieg in Liberia verantwortlich gemacht, der in den vergangenen Wochen in einer Belagerung der Hauptstadt Monrovia durch die Rebellengruppe LURD gipfelte. Eine Million Einwohner und mehrere hunderttausend Flüchtlinge waren wochenlang in der von Lebensmittelvorräten abgeschnittenen Stadt eingeschlossen.
Nach Schätzung der Vereinten Nationen leben rund 450.000 Flüchtlinge allein in der liberianischen Hauptstadt, viele davon hungern seit Wochen, viele sind schwer krank. Die Versorgungslage für die Bewohner der Stadt ist extrem schlecht, da die Rebellen den Hafen, von wo Versorgungsgüter kommen sollten, seit langem blockiert haben. Der Preis für Reis ist bereits auf das Fünffache gestiegen.