Libyen Ministerpräsident der Einheitsregierung im feindlichen Tripolis eingetroffen
Fajes al-Sarradsch bei der Ankunft
Foto: HANI AMARA/ REUTERSDer Chef der libyschen Einheitsregierung ist gemeinsam mit sechs Ministern in Tripolis eingetroffen. Die von der Uno berufene Regierung um Ministerpräsident Fajes al-Sarradsch will die von feindlichen Milizen kontrollierte Hauptstadt zu ihrem Sitz machen.
"Ab heute arbeiten wir in Tripolis, der Hauptstadt aller Libyer", verkündete Vizeregierungschef Ahmad Meitig, der Sarradsch begleitete, via Facebook. Die vorwiegend islamistischen Milizen hatten Sarradsch mit allen Mitteln fernhalten wollen.
Die illegitimen Machthaber von Tripolis hatten am Freitag den "maximalen Notstand" ausgerufen, um die international anerkannte Regierung fernhalten zu können. Sogar der Luftraum wurde mehrfach gesperrt. Dass Sarradsch mit zwei Drittel seiner Minister trotzdem nach Tripolis gelangte, wurde international begrüßt.
Uno würdigt "beachtlichen persönlichen Mut"
Die Politiker gingen an einem Marinestützpunkt von Bord des Kriegsschiffs "Assaddada" und wurde von weiteren Militärschiffen geschützt.
Der Uno-Sondergesandte für Libyen, Martin Kobler, würdigte Sarradschs "beachtlichen persönlichen Mut" und appellierte an die Milizen, die Macht friedlich an die Einheitsregierung zu übergeben.
Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi vor fünf Jahren regiert in Libyen das Chaos. Seit Mitte 2014 stritten sich zwei Regierungen um die Macht. Die Miliz "Islamischer Staat" (IS) konnte sich durch das Machtvakuum im Land festsetzen.
Am 17. Dezember hatten Vertreter der beiden libyschen Regierungen in Marokko schließlich ein von der Uno vermitteltes Abkommen für einen Ausweg aus der Staatskrise unterzeichnet. Der Vertrag sieht eine Einheitsregierung samt dem Präsidialrat für eine Übergangszeit von bis zu zwei Jahren vor. Zudem sollen eine neue Verfassung verabschiedet und Parlamentswahlen abgehalten werden.