Libyen: Flüchtiger Gaddafi-Sohn will sich stellen - DER SPIEGEL
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Libyen Flüchtiger Gaddafi-Sohn will sich stellen

Saif al-Islam al-Gaddafi ist zur Aufgabe bereit. Der flüchtige Sohn des getöteten libyschen Diktators wolle sich dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag stellen, erklärte ein Vertreter des libyschen Übergangsrates.
Saif al-Islam al-Gaddafi (Archivbild): Freiwilliger Gang nach Den Haag?
Saif al-Islam al-Gaddafi (Archivbild): Freiwilliger Gang nach Den Haag?

Saif al-Islam al-Gaddafi (Archivbild): Freiwilliger Gang nach Den Haag?

Foto: IMED LAMLOUM/ AFP
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Tripolis - Über sein Versteck wurde zuletzt immer wieder spekuliert, Vertreter des libyschen Übergangsrates vermuteten ihn nahe der Grenze zu Algerien und Niger - jetzt könnte die Flucht von Saif al-Islam al-Gaddafi bald vorbei sein: Der Sohn des getöteten Machthabers Muammar al-Gaddafi will sich offenbar ergeben. Gaddafi wolle sich zusammen mit Abdullah al-Sanussi, dem früheren Geheimdienstchef des Landes, dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag stellen, sagte ein Militärvertreter des libyschen Übergangsrates der Nachrichtenagentur Reuters.

Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworden. Saif al-Islam wurde lange als Nachfolger Gaddafis aufgebaut. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag erklärte, dass es für die Angaben des libyschen Übergangsrates noch keine Bestätigung gebe.

Saif al-Islam ist der letzte von Gaddafis sieben Söhnen, dessen Verbleib unklar ist. Zwei flohen nach Algerien, einer ist in Niger. Zwei starben während der Kämpfe zwischen Gaddafis Anhängern und den Truppen der Übergangsregierung. Mutassim al-Gaddafi wurde vergangene Woche zusammen mit seinem Vater in der Nähe von Sirt getötet.

Saif al-Islam al-Gaddafi hatte sich nach Aussagen von mittlerweile gefassten Getreuen des Regimes nach dem Fall von Tripolis in Bani Walid im Süden Libyens aufgehalten. Dort soll er gemeinsam mit dem einstigen Geheimdienstchef weiterhin versucht haben, zusätzliche Truppen zu mobilisieren, um gegen den Aufstand der Rebellen vorzugehen. Kurz vor der Einnahme des Wüstenorts, dessen Einwohner Gaddafi bis zuletzt treu geblieben waren, soll er sich mit einem Konvoi abgesetzt haben. Angeblich wurde dieser bei der Flucht aus der Luft bombardiert, dabei soll Saif verletzt worden sein.

Der Gaddafi-Sohn hatte durch Entschädigungszahlen an Terroropfer maßgeblich die erfolgreiche Annäherung Libyens an den Westen vorangetrieben. Nach dem Beginn des Aufstands in Libyen radikalisierte er sich und stellte sich demonstrativ an die Seite seines Vaters. Noch am Tag der Einnahme von Tripolis zeigte er sich kämpferisch vor internationalen Kameras, danach verlor sich seine Spur.

Die Familie Gaddafi hatte am Mittwoch zudem erklären lassen, sie wolle in Den Haag gegen die Nato klagen.

Grund sei die Verwicklung des Militärbündnisses in den Tod Gaddafis, sagte der französische Anwalt der Familie, Marcel Ceccaldi, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in Paris. Der Angriff der Nato auf den Konvoi des fliehenden Gaddafi habe direkt zu dessen Tod geführt. Die "absichtliche Tötung" sei nach den Statuten des Strafgerichtshofs ein Kriegsverbrechen, hob er hervor. Wann die Klage genau eingereicht werden solle, konnte der Anwalt noch nicht sagen.

Gaddafi war am vergangenen Donnerstag in seiner Geburtsstadt Sirt getötet worden. Er hatte versucht, aus der Stadt zu flüchten, doch der Konvoi war durch einen Nato-Angriff gestoppt worden.

Die Nato hatte erklärt, sie habe den schwer bewaffneten Konvoi angegriffen, weil dieser sich mit hoher Geschwindigkeit und ohne Rücksicht seinen Weg durch die Vororte von Sirt gebahnt habe. Von der Anwesenheit Gaddafis habe die Nato zu diesem Zeitpunkt aber nichts gewusst. Gaddafi war danach festgenommen und getötet worden. Ob er bei Gefechten starb oder gezielt von Truppen der Übergangsregierung umgebracht wurde, ist weiter unklar.

Einem Uno-Diplomaten des Nationalen Übergangsrats zufolge hat die vorläufige Untersuchung der Todesumstände Gaddafis keinen Hinweis darauf ergeben, dass er nach seiner Gefangennahme erschossen wurde. Libyens stellvertretender Uno-Botschafter Ibrahim Dabbashi sagte am Mittwoch vor dem Sicherheitsrat, vorliegenden Informationen zufolge sei Gaddafi bei Schusswechseln zwischen seinen Anhängern und denen des Nationalen Übergangsrats in Sirt verwundet worden. Er blutete demnach am Unterleib und am Kopf und starb bei seiner Ankunft im Krankenhaus in Misrata. Keiner der "Revolutionäre" habe nach Gaddafis Gefangennahme auf ihn gefeuert.

hen/mgb/Reuters/AFP