Libyen Flugzeugentführer ergeben sich
Tripolis - Zuletzt waren noch sechs Besatzungsmitglieder des sudanesischen Flugzeugs in den Händen der Entführer. Jetzt haben die beiden Geiselnehmer aufgegeben, wie die libysche Luftfahrtbehörde mitteilte. Die Entführer hatten die Maschine am Dienstag auf dem Weg von der westsudanesischen Krisenregion Darfur in die Hauptstadt Khartum in ihre Gewalt gebracht und nach Libyen umgeleitet. Sie wollten nach Frankreich geflogen werden und dort politische Forderungen stellen.
Die 87 Passagiere sowie zwei weibliche Besatzungsmitglieder durften die Maschine am Morgen verlassen. Mehrere von ihnen waren wegen der Hitze und des Sauerstoffmangels an Bord ohnmächtig geworden. Das berichtete ein Mitarbeiter der libyschen Zivilluftfahrtbehörde.
Der Pilot der Maschine der privaten sudanesischen Luftfahrtgesellschaft Sun Express hatte dem Flughafendirektor von Al-Kafra am Dienstag per Funk eine Botschaft der Entführer übermittelt. Darin forderten sie, die Maschine solle aufgetankt werden.
Anschließend entwickelte sich ein Dialog, in dessen Verlauf sich die Entführer zur Freilassung der Passagiere bereit erklärten. Als Vermittler fungierte der Pilot. Gelegentlich sprachen die Entführer auch direkt mit den Libyern. Ein freigelassener Passagier sagte der staatliche Nachrichtenagentur Jana: "Wir haben eine schreckliche Nacht in diesem Flugzeug verbracht. Alle hatten große Angst."
Die beiden Entführer, die sich ergeben haben, gehören nach eigenen Angaben einer von Abdelwahid Nur geleiteten Splittergruppe der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) aus Darfur an. Nur, der im französischen Exil lebt, dementierte im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, dass die Männer zu seiner Organisation gehören.
In Darfur kämpfen seit 2003 Rebellenorganisationen gegen arabische Milizen und sudanesische Regierungstruppen. Dem Konflikt sind bereits mehr als 200 000 Menschen zum Opfer gefallen. Hunderttausende wurden vertrieben und starben auf der Flucht. Libyens Staatschef Muammar al- Gaddafi hatte die Konfliktparteien aus Darfur bereits mehrfach zu Friedensgesprächen nach Libyen eingeladen. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag hatte im Juli wegen der Gräueltaten in Darfur einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir beantragt.
hen/Reuters/dpa