Angst vor Milizen Libyens Premier Thinni tritt zurück
Abdullah al-Thinni: "Ich will nicht, dass Blut vergossen wird"
Foto: Sabri Elmhedwi/ dpaTripolis - Die Macht der Milizen zwingt einen weiteren Regierungschef in Libyen in die Knie: Übergangspremier Abdullah al-Thinni hat seinen Rücktritt erklärt.
Der Ministerpräsident sagte, eine Gruppe von Bewaffneten habe in der Nacht zum Sonntag vor seinem Haus mehrere Schüsse abgegeben. Er und seine Familie seien Opfer eines "verräterischen bewaffneten Angriffs" geworden. "Ich will nicht, dass wegen dieses Postens ein Tropfen libyschen Blutes vergossen wird", erklärte Thinni in seinem Rücktrittsschreiben an das Parlament.
Streit um die Ölexporte
Die Abgeordneten hatten den 60-Jährigen erst am Dienstag mit der Regierungsbildung beauftragt. Sein Vorgänger Ali Seidan war vor einem Monat vom Parlament gestürzt worden. Der Zentralregierung war es nicht gelungen, die Macht der Milizen zu brechen, die immer wieder wichtige Ölterminals besetzen. Anfang März war es einer Rebellengruppe gar gelungen, an der Regierung vorbei Öl über einen nordkoreanischen Tanker zu exportieren. Dieser Vorfall besiegelte das politische Schicksal Seidans.
Erdöl ist die wichtigste Einnahmequelle des nordafrikanischen Staates. Der Streit um die Rohstoffe lähmt die politische Entwicklung des Landes seit dem Sturz von Diktator Muammar al-Gaddafi, der Libyen bis zu seiner Absetzung im Herbst 2011 mit eiserner Faust regierte.