Libyen: Schüsse und Explosionen in Tripolis - DER SPIEGEL
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Revolte in Libyen Schüsse und Explosionen in Tripolis

In der libyschen Hauptstadt Tripolis kommt es zu neuen Kämpfen. Anwohner berichten von Schusswechseln und lauten Explosionen. Um einen Bürgerkrieg zu verhindern, soll noch im Juni ein neues Parlament gewählt werden.
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Tripolis - In der libyschen Hauptstadt Tripolis ist es Augenzeugen zufolge in der Nähe zweier Militärstützpunkte abermals zu Kämpfen gekommen. Mehrere laute Explosionen seien am frühen Mittwochmorgen nahe der al-Jarmuk-Kaserne im Stadtteil Salaheddin zu hören gewesen, berichteten Anwohner laut der Agentur Reuters. Auch aus dem Vorort Tadschura im Osten wurden Schüsse und Explosionen gemeldet.

Um die Spannungen zu mildern, soll auf Vorschlag der Wahlkommission am 25. Juni ein neues Parlament gewählt werden. Das teilte die Wahlkommission am Dienstagabend mit. Die Libyer hätten bereits im vergangenen Winter ein neues Parlament wählen sollen. Die Abgeordneten beschlossen jedoch stattdessen eigenmächtig eine Verlängerung der Legislaturperiode.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich besorgt über die eskalierte Lage. Ein Abdriften in noch mehr Gewalt und Chaos könne nur durch einen Dialog über die Zukunft des Landes gelingen, sagte Steinmeier der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die Gewalt muss deshalb aufhören. Dazu gehört auch Respekt vor den noch immer schwachen demokratischen Institutionen des Landes."

Auch andere Länder sind beunruhigt: Die USA erwägen seit Dienstag, ihre Botschaft in Tripolis zu evakuieren. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate schlossen bereits ihre diplomatischen Vertretungen.

In Libyen tobt seit Monaten ein Machtkampf rivalisierender Milizen, der sich in den vergangenen Tagen noch verschärft hat. Seit bewaffnete Anhänger des abtrünnigen Ex-Generals Chalifa Haftar am Sonntag das Parlament angegriffen hatten, war es in Tripolis zuletzt vergleichsweise ruhig geblieben. In Bengasi im Osten des erdölproduzierenden Landes hatten Haftars Kämpfer am Freitag Islamisten angegriffen, mehr als 70 Menschen wurden getötet.

Seit dem Bürgerkrieg 2011 und dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi ist es der Regierung nicht gelungen, sich im gesamten Land Autorität zu verschaffen. Viele ehemalige Rebellengruppen verweigern ihre Entwaffnung.

fab/dpa/Reuters